Anduril-CEO: Börsengang im aktuellen Hype-Zyklus unklug
Brian Schimpf sieht keine Eile für ein IPO – trotz Rekordbewertung von 61 Milliarden Dollar und boomender Rüstungsnachfrage.

Brian Schimpf, CEO des Rüstungstechnologieunternehmens Anduril, bremst die Erwartungen an einen baldigen Börsengang. Angesichts der aktuellen Marktbedingungen sehe das Unternehmen keine Eile, an die Börse zu gehen, erklärte Schimpf. Dies ist bemerkenswert, denn Anduril befindet sich mitten in einem beispiellosen Wachstumsschub.
Rüstungstechnologieunternehmen wie Anduril profitieren derzeit von einer sprunghaft steigenden Nachfrage. Angeheizt wird diese durch die Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump zur militärischen Reindustrialisierung Amerikas. Die Ausgaben für Verteidigungstechnologie erreichen Rekordhöhen – der US-Verteidigungshaushalt ist auf dem besten Weg, die Marke von 1,5 Billionen Dollar zu erreichen.
Bewertung verdoppelt – und trotzdem kein IPO
Anduril, bekannt als Hersteller von Drohnen und KI-gestützten Waffen, verdoppelte seine Bewertung im Mai auf 61 Milliarden Dollar. Damit zählt das Unternehmen zu den am höchsten bewerteten privaten Technologieunternehmen weltweit. Schimpf kündigte damals an, das Unternehmen werde „aggressiv" in die Skalierung von Verteidigungssystemen für die USA investieren.
Auch andere Rüstungstechnologie-Firmen verzeichnen starkes Investoreninteresse: Shield AI und Saronic, ein Hersteller autonomer Schiffe, schlossen Anfang des Jahres große Finanzierungsrunden ab. Schimpf bewertet diesen Trend jedoch nicht uneingeschränkt positiv – ein Hinweis darauf, dass er die aktuelle Euphorie am Markt mit Skepsis betrachtet.
Der IPO-Markt für Technologieunternehmen bleibt trotz der hohen Bewertungen vergleichsweise verhalten. Selbst das Rekordangebot von SpaceX im vergangenen Monat konnte den Markt nicht nachhaltig beleben. Die Aktien von Elon Musks Raumfahrt- und KI-Unternehmen schlossen an ihrem dritten Handelstag bei einem Höchststand von 201,80 Dollar, haben seither jedoch rund ein Viertel ihres Wertes verloren und notieren nur knapp über dem Eröffnungskurs von 150 Dollar.
OpenAI und Anthropic warten ebenfalls ab
Auch die führenden KI-Modellentwickler OpenAI und Anthropic haben beide vertraulich einen Börsengang beantragt, ohne jedoch einen konkreten Zeitplan festzulegen. Einige Investoren zeigen sich zunehmend skeptisch, ob der öffentliche Markt bereit wäre, zu den aktuellen Bewertungen der Unternehmen von nahezu einer Billion Dollar einzusteigen.
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Zur AktienanalyseFür Anduril stellt sich die Frage nach dem Börsengang dennoch immer drängender. Gründer Palmer Luckey erklärte, er strebe „definitiv" einen Börsengang an – nannte jedoch keinen Zieltermin. Die Kombination aus explodierender Bewertung, starkem Wachstum und einem verhaltenen IPO-Markt macht die Timing-Entscheidung für das Unternehmen zur Gratwanderung.
Für deutsche Anleger ist die Entwicklung bei Anduril ein Indikator für den globalen Trend zur Aufrüstung und die wachsende Rolle privater Rüstungstechnologieunternehmen. Während europäische Verteidigungskonzerne wie Rheinmetall bereits an der Börse notiert sind und von ähnlichen Trends profitieren, bleibt Anduril vorerst ein Fall für Risikokapitalgeber – nicht für den breiten Aktienmarkt.


