AMD und Micron: KI-Aktien mit 25% und 80% Aufwärtspotenzial
Wall-Street-Analysten sehen bei AMD und Micron trotz Bedenken über KI-Ausgaben erhebliches Kurspotenzial.

Zwei der derzeit gefragtesten KI-Infrastruktur-Aktien am Markt sind Advanced Micro Devices (AMD) und Micron. Führende Wall-Street-Analysten sehen bei beiden Titeln noch erhebliches Aufwärtspotenzial – trotz weit verbreiteter Sorgen über übertriebene Ausgaben im KI-Sektor. Baird-Analyst Tristan Gerra hat sein Kursziel für AMD auf 625 US-Dollar angehoben – ein deutlicher Sprung gegenüber dem vorherigen Ziel von 300 US-Dollar vor dem Gewinnbericht des Unternehmens Anfang Mai. Ausgehend vom Stand des 26. Mai entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von rund 25%.
Noch ambitionierter fällt die Einschätzung für Micron aus: UBS-Analyst Timothy Arcuri hat sein Kursziel für den Speicherchiphersteller von 535 auf 1.625 US-Dollar verdreifacht. Das entspricht einem möglichen Kursanstieg von rund 80% gegenüber dem aktuellen Niveau – eine außergewöhnlich bullische Prognose, die die Aufmerksamkeit vieler Investoren auf sich zieht.
AMD: Inference und Agentic AI als Wachstumstreiber
AMD profitiert derzeit von zwei der stärksten Trends im Bereich der künstlichen Intelligenz: Inference (Inferenz) und Agentic AI. Während Rivale Nvidia den Markt für das Training von KI-Modellen dominiert – gestützt durch seine weit verbreitete Softwareplattform CUDA –, ist Inference technologisch weniger anspruchsvoll und tendenziell eher speicher- als rechenintensiv. Genau hier liegt AMDs Stärke: Das Chiplet-Design des Unternehmens ermöglicht die Integration von mehr High-Bandwidth Memory (HBM), was seine GPUs besonders gut für Inference-Aufgaben geeignet macht.
Da große Hyperscaler – also Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google – ihre Abhängigkeit von Nvidia reduzieren wollen und nach jeder verfügbaren Rechenleistung suchen, gilt AMD als einer der größten Profiteure dieses Trends. Bereits jetzt wurden GPU-Verträge im Wert von jeweils über 100 Milliarden US-Dollar unterzeichnet, was in den kommenden Jahren ein massiver Wachstumstreiber sein dürfte.
Darüber hinaus eröffnet der Aufstieg von Agentic AI – also KI-Systemen, die eigenständig Aufgaben planen und ausführen – eine enorme Chance im Markt für Data-Center-CPUs. Beim klassischen KI-Training lag das Verhältnis von GPU zu CPU bei 8:1, bei Agentic AI verschiebt es sich auf 1:1. AMD ist in diesem Bereich einer der Marktführer und erwartet, dass der CPU-Markt für Rechenzentren in den nächsten Jahren auf über 120 Milliarden US-Dollar anwächst.
Micron: Speicher-Superzyklus treibt Bewertung
Der Aufstieg von Micron war in den vergangenen Monaten schlichtweg spektakulär. Die Aktie ist im vergangenen Jahr um mehr als 800% gestiegen – getrieben vor allem durch starkes Gewinnwachstum. Dennoch wird der Titel gemessen an den Analystenschätzungen für das Geschäftsjahr 2027 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von lediglich 8,6 gehandelt – eine vergleichsweise niedrige Bewertung angesichts der Wachstumsdynamik.
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Zur AktienanalyseMicron gehört neben den koreanischen Konkurrenten SK Hynix und Samsung zu den drei großen Herstellern von Dynamic Random-Access Memory (DRAM). Der gesamte DRAM-Markt ist derzeit stark unterversorgt, da die Nachfrage nach High-Bandwidth Memory (HBM) sprunghaft angestiegen ist. GPUs und andere KI-Chips müssen mit HBM gekoppelt werden, um ihre Leistung zu optimieren – und da Inference besonders speicherintensiv ist, sorgt dieser Trend für zusätzlichen Rückenwind.
Ein weiterer struktureller Faktor begünstigt Micron: HBM erfordert eine bis zu dreimal höhere Wafer-Kapazität als herkömmlicher DRAM. Da sich alle großen Speicherhersteller auf HBM konzentrieren, sind die Preise insgesamt stark gestiegen – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf Umsatz und Margen. Zudem sind die Kapazitätserweiterungen durch die begrenzte Anzahl an EUV- und DUV-Maschinen eingeschränkt, die der niederländische Maschinenbauer ASML pro Jahr produzieren kann.
Historisch gesehen war der Speichermarkt stark zyklisch mit ausgeprägten Boom-and-Bust-Phasen. Doch erstmals haben die drei großen Akteure damit begonnen, Drei- bis Fünfjahresverträge abzuschließen – und tauschen damit kurzfristige Preisdynamik gegen langfristige Planungssicherheit. Zusammen mit dem strukturellen HBM-Wachstum, den Engpässen bei ASML-Maschinen und einer nach wie vor niedrigen Bewertung könnte Micron noch erhebliches Aufwärtspotenzial besitzen.


