Amazon: Warum 200 Milliarden Dollar Amazon zum KI-Gewinner machen
Amazons massive KI-Investitionen werden an der Börse unterschätzt – dabei wächst AWS rasant und ein stilles Chipgeschäft explodiert.

Während Nvidia und andere Chiphersteller die Schlagzeilen der KI-Euphorie dominierten, blieb Amazon (AMZN) trotz gigantischer Investitionen hinter der Marktentwicklung zurück. In diesem Jahr plant der Konzern rund 200 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben – der größte Einzeljahresplan unter allen großen Technologieunternehmen weltweit. Doch statt Begeisterung erntete Amazon zunächst Skepsis: Als das Unternehmen im Februar die Summe bekanntgab, fiel die Aktie auf rund 198 US-Dollar.
Inzwischen hat sich der Kurs auf über 250 US-Dollar erholt, doch die Aktie liegt in diesem Jahr nur rund 10 Prozent im Plus. Im Vergleich zu anderen KI-Profiteuren und gemessen an der Fünfjahresrendite des S&P 500 hinkt Amazon damit deutlich hinterher. Genau diese Zurückhaltung der Anleger könnte jedoch eine Chance darstellen – denn die 200 Milliarden Dollar finanzieren zwei strategisch bedeutsame Wachstumsbereiche gleichzeitig.
Amazons Cloud-Geschäft wächst so schnell wie seit Jahren nicht
Der Löwenanteil der Investitionen fließt in Amazon Web Services (AWS), das Cloud-Computing-Geschäft des Konzerns. Entscheidend dabei: Die Ausgaben folgen der tatsächlichen Nachfrage, anstatt ihr vorauszueilen. Im ersten Quartal stieg der AWS-Umsatz im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 37,6 Milliarden US-Dollar – das schnellste Wachstum seit 15 Quartalen. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2025 lag das Wachstum noch bei 24 Prozent, im dritten Quartal bei 20 Prozent.
Das Segment erreichte damit eine jährliche Umsatz-Run-Rate von 150 Milliarden US-Dollar. Das Betriebsergebnis kletterte auf 14,2 Milliarden US-Dollar, nach 11,5 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Hinter diesen Zahlen steht ein massiver Auftragsbestand: Fest zugesagte Kundenausgaben beliefen sich am Quartalsende auf 364 Milliarden US-Dollar. Noch nicht eingerechnet ist dabei eine kürzlich unterzeichnete Vereinbarung mit dem KI-Labor Anthropic im Wert von mehr als 100 Milliarden US-Dollar.
Zum Vergleich: Der nächstgrößte Investor unter den Technologiekonzernen ist Alphabet, das für 2026 bis zu 190 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt hat. Amazon übertrifft dies und steigert seine Ausgaben gegenüber rund 130 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 erheblich.
Das stille Chipgeschäft mit dreistelligen Wachstumsraten
Was viele Anleger kaum auf dem Radar haben: Amazon ist im Stillen zu einem bedeutenden Chiphersteller aufgestiegen. Die für AWS entwickelten maßgeschneiderten Halbleiter – darunter die Prozessoren Trainium und Graviton sowie die Nitro EC2-Netzwerkkarten – übertrafen im ersten Quartal eine jährliche Umsatz-Run-Rate von 20 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von fast 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal, mit dreistelligen Wachstumsraten im Jahresvergleich.
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Zur AktienanalyseCEO Andy Jassy erklärte in der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen, dass Amazons Sparte für maßgeschneiderte Halbleiter nach eigener Einschätzung nun „eines der drei größten Rechenzentrum-Chipgeschäfte der Welt" sei. Diese Aussage unterstreicht, wie weit Amazon in einem Bereich vorgedrungen ist, der bislang von Nvidia dominiert wird.
Für die Trainium-Chips verfügt Amazon über Umsatzverpflichtungen von mehr als 225 Milliarden US-Dollar, darunter mehrjährige Verträge über mehrere Gigawatt mit den KI-Laboren Anthropic und OpenAI. Zudem bietet der Trainium2-Chip laut Unternehmensangaben ein um rund 30 Prozent besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als vergleichbare Grafikprozessoren (GPUs).
Für deutsche Privatanleger, die nach KI-Investments jenseits der offensichtlichen Chiphersteller suchen, liefert Amazon damit ein bemerkenswertes Argument: Ein Unternehmen, das gleichzeitig als Cloud-Anbieter, KI-Infrastrukturfinanzierer und aufstrebender Chiphersteller agiert – und dessen Aktie die Marktentwicklung bislang deutlich verfehlt hat.


