Amazon-Beschäftigte in Bad Hersfeld streiken
Ver.di kritisiert geringe Lohnerhöhung und warnt vor Jobabbau durch Robotertechnik

Der Konflikt zwischen Amazon und der Gewerkschaft ver.di flammt erneut auf: Mitarbeiter des Verteilzentrums im hessischen Bad Hersfeld sind von der Gewerkschaft zu einem zweitägigen Streik aufgerufen worden. Grund sind die zum 1. September anstehenden Lohnanpassungen, die nach Ansicht von ver.di nicht ausreichen. Die angekündigten Erhöhungen liegen zwischen 2,2 und 2,5 Prozent und bedeuten für den Großteil der Beschäftigten rund 30 Euro mehr im Monat. Nach Darstellung der Gewerkschaft fällt diese Anpassung angesichts steigender Lebenshaltungskosten und hoher Lebensmittelpreise zu gering aus. Zudem würden die Jahreslöhne im Vergleich zum tariflichen Niveau um bis zu 4.000 Euro niedriger liegen.
Nach Angaben von ver.di Hessen werden täglich zwischen 100 und 400 Mitarbeiter an dem Streik teilnehmen. Auswirkungen für Kunden sind allerdings kaum zu erwarten, da Amazon die Möglichkeit hat, logistisch auf andere Standorte auszuweichen. Ein Sprecher des Unternehmens wies die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück und erklärte, die Kritik habe nichts mit der Realität vor Ort zu tun. Die Beschäftigten würden von fairen Löhnen und attraktiven Zusatzleistungen profitieren.
Neben der Frage der Bezahlung sorgt auch die geplante Einführung neuer Robotertechnologie am Standort für Unruhe. Laut ver.di soll der Betrieb in Bad Hersfeld in den kommenden zwei Jahren schrittweise auf automatisierte Systeme umgestellt werden. Bereits im Vorfeld werde massiv Personal abgebaut, was den Druck auf die verbliebene Belegschaft erhöhe. Maschinen sollen künftig die Arbeitsabläufe steuern und die Taktung vorgeben. Nach Einschätzung von ver.di führt diese Entwicklung nicht zu einer Entlastung, sondern verschlechtert langfristig die Arbeitsbedingungen.
Amazon verweist auf die bestehenden Löhne, die ab September angepasst werden. Der Einstiegslohn soll dann deutschlandweit bei 15,65 Euro brutto pro Stunde beginnen, in Bad Hersfeld bei 16,05 Euro. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit steige der Stundenlohn dort auf 17,73 Euro. Fachkräfte erhielten laut Unternehmen bereits beim Einstieg 21,83 Euro. Die Lohnerhöhung wurde vom Betriebsrat gebilligt.
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Zur AktienanalyseDie Auseinandersetzungen zwischen Amazon und ver.di haben eine lange Geschichte. Seit Jahren versucht die Gewerkschaft, den US-Konzern zur Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels zu bewegen und zusätzlich einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Streiks an verschiedenen Standorten, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Auch der aktuelle Arbeitskampf reiht sich in diese Serie von Auseinandersetzungen ein.


