Amazon-Aktie springt 14%: Cloud-Boom rechtfertigt massive KI-Investitionen
Stärkstes Cloud-Wachstum seit vier Jahren begeistert Anleger und zerstreut Zweifel an Amazons milliardenschwerer KI-Strategie.

Amazon-Aktien legten am Freitag um fast 14% zu – ein beeindruckender Kurssprung, der das Vertrauen der Anleger in die massiven KI-Investitionen des Konzerns widerspiegelt. Auslöser war ein starkes Cloud-Umsatzwachstum, das Befürchtungen zerstreute, Amazon könnte im KI-Wettlauf hinter seine Big-Tech-Rivalen zurückfallen. Der E-Commerce- und Cloud-Riese verzeichnete damit sein stärkstes Cloud-Wachstum seit über vier Jahren.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Cloud-Umsätze von Amazon Web Services (AWS) stiegen im zweiten Quartal um 37%. Sollten die Gewinne anhalten, könnte die Aktie dank dieses Wachstums mehr als 340 Milliarden Dollar an Marktwert gewinnen. Das Unternehmen plant zudem, seine Investitionsausgaben für 2026 um 10% auf 220 Milliarden Dollar zu steigern – eine Summe, die durch die neue Nachfragewelle gerechtfertigt erscheint.
Amazons Ergebnisse als Signal an die Wall Street
Die Quartalszahlen von Amazon gelten als deutliches Signal, dass sich KI-Investitionen der großen Technologiekonzerne bereits in messbaren Erträgen niederschlagen. Ähnliches war kurz zuvor bei Microsoft zu beobachten: Der Softwareriese legte Anfang der Woche um mehr als 15% zu, nachdem seine Cloud-Sparte die Erwartungen mit einem Umsatzsprung von 43% übertroffen hatte. Beide Unternehmen demonstrieren damit, dass die enormen Ausgaben im KI-Bereich konkrete Früchte tragen.
„Der Markt stellt nicht mehr infrage, ob die KI-Nachfrage real ist. Die neue Trennlinie ist, ob die beispiellosen Ausgaben zu sichtbarem, kurzfristigem Umsatzwachstum und einer Margenausweitung führen", erklärte Bill Birmingham, Managing Director bei REX Financial. Er ergänzte: „Der Markt bestraft Ausgaben, wenn die Monetarisierung verzögert, indirekt oder schwer messbar ist."
Diese Einschätzung zeigt sich auch im Kontrast zu anderen Tech-Giganten: Meta und die Google-Mutter Alphabet brachen beide um 7% ein – trotz starken Umsatzwachstums. Grund waren erhöhte Prognosen für Investitionsausgaben bei gleichzeitig einbrechendem freien Cashflow. Die Toleranz der Anleger gegenüber stetig steigenden KI-Ausgaben ist also keineswegs grenzenlos. Die gesamten KI-Ausgaben der großen Technologiekonzerne sollen in diesem Jahr 730 Milliarden Dollar überschreiten.
Negativer Free Cashflow – aber Anleger bleiben gelassen
Ein kritischer Punkt in Amazons Quartalsbericht ist der freie Cashflow, der deutlich ins Negative drehte. Auf Basis der letzten zwölf Monate verbrauchte Amazon 7,6 Milliarden Dollar, verglichen mit einem positiven freien Cashflow von 18,2 Milliarden Dollar im Vorjahr. Trotzdem reagierten die Märkte positiv – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Ausgaben als strategisch sinnvoll einstufen.
CEO Andy Jassy versicherte den Anlegern, dass Amazon Kapital nur investiert, um eine bereits bestehende Nachfrage zu bedienen. Er betonte, dass ein Großteil der verfügbaren Cloud-Kapazitäten für 2027 und ein Teil der Kapazitäten für 2028 bereits von Kunden reserviert worden sei. Diese Aussage unterstreicht, dass das Wachstum nicht auf Spekulation, sondern auf konkreten Kundenaufträgen basiert.
Thomas Monteiro, Senior Analyst bei Investing.com, brachte die Stimmung am Markt auf den Punkt: „Amazon verdient sich das Recht, weiter zu investieren. Wo andere die Anleger bitten, darauf zu vertrauen, dass sich die Auszahlung einstellen wird, hat Amazon dies in diesem Quartal gezeigt." Er fügte hinzu: „Solange AWS weiter beschleunigt und die Margen halten, scheint der Markt bereit zu sein, den Ausbau zu finanzieren, selbst wenn der freie Cashflow im Minus liegt."
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Zur AktienanalyseKursziele angehoben – Bewertung im Vergleich
Die starken Ergebnisse haben auch Analysten überzeugt: Mindestens 15 Brokerhäuser hoben nach Bekanntgabe der Quartalszahlen ihre Kursziele für die Amazon-Aktie an. Chris Ballard, Managing Partner bei Check Capital, bezeichnete Amazons Ausgabenpolitik als „methodisch und verantwortungsbewusst" und hob hervor, dass das Unternehmen sofortige Ergebnisse vorweise – was angesichts des völlig neuen Niveaus des Kapitaleinsatzes ein sehr gutes Zeichen sei.
Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird Amazon derzeit mit 24,67 bewertet. Zum Vergleich: Microsoft kommt auf 22,94 und Alphabet auf 19,35. Amazon handelt damit mit einem leichten Aufschlag gegenüber seinen direkten Wettbewerbern – ein Aufschlag, den der Markt nach diesen Quartalsergebnissen offenbar bereit ist zu zahlen.


