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Altersvorsorge nur mit ETFs aufbauen: Lohnt sich das wirklich?

ETFs statt Einzelaktien für die Rente – statistische Fakten sprechen überraschend deutlich für die einfache Strategie.

Altersvorsorge nur mit ETFs aufbauen: Lohnt sich das wirklich?

Warren Buffett brachte es einmal auf den Punkt: „Es scheint eine perverse menschliche Eigenschaft zu geben, die dazu neigt, einfache Dinge kompliziert zu machen." Genau diese Erkenntnis stellt Anleger vor eine grundlegende Frage: Kann man ein Altersvorsorge-Portfolio ausschließlich mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) aufbauen – und sollte man das überhaupt tun? Die Antwort fällt klarer aus, als viele Privatanleger erwarten würden.

Bekannte ETFs wie der SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY), der Vanguard S&P 500 ETF (VOO) oder der technologielastige Invesco QQQ Trust (QQQ) stehen dabei im Mittelpunkt der Überlegung. Einzelaktien wirken auf den ersten Blick attraktiver, weil sie scheinbar mehr Aufwärtspotenzial bieten. Doch ein nüchterner Blick auf die Zahlen relativiert diesen Eindruck erheblich.

Die Statistik spricht für Einfachheit

Die entscheidende Frage ist nicht, ob ein Rentenkonto ETFs halten kann – das kann es problemlos, denn ETFs werden wie jeder andere börsennotierte Titel gehandelt. Die eigentliche Frage lautet: Können ETFs mit gezielter Aktienauswahl mithalten? Die Datenlage ist eindeutig: Sie können es – und auf lange Sicht schneiden viele Anleger mit ETFs sogar besser ab.

Der Vanguard S&P 500 ETF und der SPDR S&P 500 ETF Trust erzielen im Durchschnitt denselben jährlichen Zuwachs von rund 10%, den auch der zugrunde liegende S&P 500-Index selbst erreicht. Das klingt unspektakulär, ist es aber nicht: Die meisten aktiv verwalteten Investmentfonds, die US-Anlegern zur Verfügung stehen, bleiben in fast jedem Betrachtungszeitraum hinter dieser Benchmark zurück. Dasselbe gilt für Hedgefonds und – bei ehrlicher Betrachtung – für die Mehrheit der Privatanleger, die zu häufig handeln, um schnelle Gewinne zu erzielen.

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf sektorbasierte ETFs: Der am schlechtesten abschneidende Sektor-ETF von Vanguard der vergangenen zehn Jahre (ohne Immobilienfonds) war der Vanguard Consumer Staples ETF (VDC). Selbst dieser legte im letzten Jahrzehnt um mehr als 60 Prozent zu – und das ohne Berücksichtigung der ausgeschütteten Dividenden. Rechnet man wiederangelegte Dividenden hinzu, verbessert sich die Gesamtrendite auf über 100 Prozent in zehn Jahren.

Wer gleich große Anteile an allen zehn Kernsektorfonds von Vanguard gekauft und gehalten hätte, hätte einen durchschnittlichen Zehnjahresgewinn von rund 185 Prozent erzielt. Ein breit gestreuter S&P 500-Indexfonds hätte in diesem Zeitraum sogar noch besser abgeschnitten – dennoch zeigt diese Zahl, wie leistungsfähig selbst eine einfache ETF-Strategie über einen langen Anlagehorizont sein kann.

Eine andere Denkweise ist gefragt

Die größte Herausforderung beim ETF-basierten Altersvorsorge-Portfolio liegt nicht in der Auswahl der richtigen Produkte, sondern in der erforderlichen Mentalität. ETFs sind keine Einzelaktien, die man auf Basis des Potenzials eines einzelnen Unternehmens kauft und verkauft. Sie sind themenbasiert oder philosophischer Natur – und entfalten ihre volle Wirkung erst über einen langen Zeitraum.

Das bedeutet konkret: Anleger müssen kurzfristige Schlagzeilen und Marktrauschen konsequent ignorieren und an ihren Positionen festhalten, auch wenn die Märkte schwanken. In einem medialen Umfeld, das ständig zu mehr Handelsaktivität animiert, ist das leichter gesagt als getan. Wer jedoch die Disziplin aufbringt, die Dinge einfach zu halten, hat laut der Analyse gute Chancen, besser abzuschneiden als die Mehrheit der aktiveren Mitanleger.

Für deutsche Privatanleger, die ihre Altersvorsorge strukturieren – etwa über ein Depot, eine Riester-Rente oder ein ETF-Sparplan-Modell – liefert diese Betrachtung ein klares Argument: Komplexität ist kein Qualitätsmerkmal. Langfristige Disziplin und ein einfaches, breit diversifiziertes ETF-Portfolio können eine sehr solide Grundlage für den Ruhestand bilden.

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