Altersvorsorge: Fintech-Bündnis fordert Aktienrente für Rentenversicherung
Während das Altersvorsorgedepot den Bundesrat passiert, drängt ein Branchenbündnis auf weiterreichende Reformen – inklusive kapitalgedeckter gesetzlicher Rente.

Das neue Altersvorsorgedepot steht kurz vor dem Abschluss seines Gesetzgebungsverfahrens. Nachdem der Bundestag die Reform bereits im März verabschiedet hatte, stand zuletzt die Abstimmung im Bundesrat an – eine Blockade des Riester-Nachfolgers erwartete niemand mehr. Für Sparer beginnt damit im kommenden Jahr eine neue Ära: Der Staat fördert dann mit teils üppigen Zulagen auch Investments in Aktien – und das erstmals ohne renditemindernde Garantiepflichten.
Dass die Finanzbranche diese Reform begrüßt, überrascht kaum. Mehr Bürger am Kapitalmarkt bedeutet mehr Geschäft für Banken, Broker und Fintechs. „Wenn der Bundesrat dem Altersvorsorgereformgesetz zustimmt, gelingt in der dritten Säule ein wichtiger Meilenstein für die kapitalgedeckte Altersvorsorge in Deutschland", sagt Thomas Soltau, Chef des Neobrokers Smartbroker. „Das kann aber erst der Anfang sein."
Fintech-Bündnis fordert mehr als das Altersvorsorgedepot
Einen Tag vor der finalen Abstimmung meldete sich ein Branchenbündnis mit einem Positionspapier zu Wort – und bezeichnete die Pläne der Bundesregierung als nicht weitreichend genug. Zur Initiative Digitale Altersvorsorge gehören neben Smartbroker die Zinsplattform Raisin, der ETF-Anbieter Vanguard, das auf betriebliche Altersvorsorge spezialisierte Fintech Ginkgo sowie die Finanzinfrastrukturanbieter Upvest und Lemon Markets. Das Papier lag der WirtschaftsWoche exklusiv vor.
Im Mittelpunkt der Forderungen steht ein Konzept, das in Deutschland bereits vielfach diskutiert wurde: eine Art Aktienrente. Der frühere Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte die Idee vor einigen Jahren ins Spiel gebracht – ein staatlicher Kapitalstock sollte aufgebaut werden. Dieses Vorhaben verschwand jedoch in den Schubladen der Berliner Ministerien.
Das Fintech-Bündnis schlägt nun einen anderen Ansatz vor: Die gesetzliche Rentenversicherung soll teilweise kapitalgedeckt werden, indem für jeden Beitragszahler ein individuell gestaltbares Depot eingerichtet wird. Alternativ soll eine festgelegte Standardlösung verfügbar sein. Zwar fordern die Fintechs, dass der investierte Anteil der Rentenbeiträge im Laufe der Jahre steigen soll – eine konkrete Größenordnung nennen sie jedoch nicht. Als Vorbild dient Schweden, wo 2,5 Prozent der Rentenbeiträge in die sogenannte Prämienrente fließen.
Wie wirkungsvoll ein staatlicher Kapitalstock sein kann, zeigt der norwegische Staatsfonds eindrucksvoll. 1990 aufgelegt, verwaltet er heute ein Vermögen von umgerechnet über 1,9 Billionen Euro – das entspricht rund 333.000 Euro pro Bürger.
Betriebliche Altersvorsorge: Zu bürokratisch, zu intransparent
Ein zweites zentrales Problem sieht die Initiative in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). „Sie ist in Deutschland heute schlicht zu bürokratisch, zu intransparent und für viele kleine und mittlere Unternehmen praktisch nicht handhabbar", kritisiert Smartbroker-Chef Soltau. Derzeit bieten vor allem größere Unternehmen ihren Mitarbeitern eine bAV an.
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Zur AktienanalyseDas Bündnis fordert deshalb, Arbeitgeber gesetzlich zu verpflichten, eine bAV anzubieten – ohne dass Arbeitnehmer diese annehmen müssen. Ein ähnlicher Vorstoß kam im April bereits von Vertretern der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, sodass der Vorschlag bei der CDU auf Resonanz stoßen dürfte.
Darüber hinaus plädiert die Initiative dafür, auch bei der bAV mehr Wahlfreiheit für Anleger zu schaffen. Bislang dominieren in Deutschland Direktversicherungen mit stark sicherheitsorientierter Ausrichtung – investiert wird überwiegend in Anleihen und ähnlich risikoarme, aber auch renditeschwache Anlageklassen. Hohe Kosten und Garantien schmälern den späteren Ertrag zusätzlich. Das Bündnis möchte, dass Arbeitnehmer künftig auch über Aktienfonds chancenreicher investieren können – allerdings unter Verzicht auf Beitragsgarantien.
Für Privatanleger sind diese Entwicklungen von erheblicher Bedeutung. Sollten die Forderungen des Fintech-Bündnisses politisch Gehör finden, könnten künftig deutlich mehr Kapital in den Aktienmarkt fließen – mit potenziell positiven Effekten für die langfristige Altersvorsorge breiter Bevölkerungsschichten.


