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Alter Ego als Erfolgsgeheimnis: Was Beyoncé und Adele uns lehren

Eine Psychotherapeutin mit fast 25 Jahren Erfahrung erklärt, wie das Kanalisieren eines Alter Egos Selbstzweifel überwindet.

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Alter Ego als Erfolgsgeheimnis: Was Beyoncé und Adele uns lehren

Als Beyoncé zu Beginn ihrer Karriere die Bühne betrat, tat sie dies nicht als sie selbst. Sie schlüpfte in die Rolle von „Sasha Fierce" – einem Alter Ego, das sie erschuf, um mit ihrer Nervosität umzugehen. Diese Strategie, so erklärt Psychotherapeutin Amy Morin, kann auch für ganz normale Menschen im Berufsalltag funktionieren.

Morin ist klinische Sozialarbeiterin, Autorin von „The Mental Strength Playbook" und Moderatorin des Podcasts „Mentally Stronger". In fast 25 Jahren Berufserfahrung hat sie beobachtet, wie kluge, fähige Menschen unter Druck versagen: Sie stolpern in Verkaufsgesprächen, obwohl sie das Skript auswendig kennen. Sie schweigen in Meetings, selbst wenn sie die beste Idee der Gruppe haben. Unabhängig von Talent oder Vorbereitung können Selbstzweifel jeden ausbremsen.

„Es ist ein bisschen so, wie wenn ich einen Film drehe und in eine Rolle schlüpfe. Sobald man die Perücke und die Kleidung anzieht, geht man anders", sagte Beyoncé in einem Interview mit Oprah Winfrey im Jahr 2008. Beyoncé beschrieb außerdem, wie Sasha Fierce genau in dem Moment erschien, wenn sie die Menge hörte und ihre Stilettos anzog – kurz bevor die Nervosität einsetzte. Auch andere Künstler und Athleten haben über ähnliche Strategien gesprochen, darunter Adele und der verstorbene Kobe Bryant.

Die Psychologie hinter dem Alter Ego

Das Kanalisieren eines Alter Egos basiert auf einer psychologischen Strategie namens Selbstdistanzierung. Wer die Persona eines anderen annimmt, schafft Raum zwischen sich selbst und den eigenen ängstlichen Gedanken. Die Gehirnaktivität verlagert sich dabei weg von den Regionen, die emotionale Reaktivität steuern, hin zum präfrontalen Kortex – dem Bereich, der für logisches Denken zuständig ist.

Eine Studie mit Vier- und Sechsjährigen untermauert diesen Ansatz eindrucksvoll. Die Kinder erhielten eine langweilige Aufgabe sowie ein iPad zum Spielen, sobald sie aufhören wollten. Eine Gruppe sollte sich fragen: „Arbeite ich hart?" Eine andere nutzte den eigenen Namen: „Arbeitet Hannah hart?" Eine dritte Gruppe durfte sich einen Charakter aussuchen – etwa Batman – und fragen: „Arbeitet Batman hart?" Das Ergebnis: Die Kinder, die in die Rolle ihrer Lieblingsfiguren schlüpften, hielten am längsten durch. Je weiter sie aus sich selbst heraustraten, desto mehr Ausdauer bewiesen sie.

So wenden Sie die Methode im Alltag an

Morin empfiehlt, das Alter Ego gezielt auf die jeweilige Situation abzustimmen. Es kann eine reale Person sein, die man bewundert, eine fiktive Figur oder sogar eine Version der eigenen Person an ihrem besten Tag. Wer Kühnheit braucht, könnte Serena Williams kanalisieren. Wer unter Druck ruhig und freundlich bleiben möchte, denkt vielleicht an Mr. Rogers.

Besonders wirkungsvoll wird die Strategie durch einen physischen Anker – ein Kleidungsstück oder Accessoire, das das Alter Ego repräsentiert. Das kann eine Uhr sein, die das Gefühl von James Bond vermittelt, oder rote Stiefel, die an Wonder Woman erinnern. Die persönliche Bedeutung des Objekts ist dabei entscheidend. Vor einer wichtigen Situation zieht man es an und fragt sich: „Was würde mein Alter Ego in dieser Situation tun?"

Morin gibt jedoch auch eine klare Warnung: Wer sich beim Kanalisieren des Alter Egos so fühlt, als würde er jemanden imitieren, ist zu weit gegangen. Das Ziel ist es, die eigenen Qualitäten zu verstärken – nicht, sich selbst zu verlieren. Außerdem empfiehlt sie, die Methode zunächst in Situationen mit niedrigem Einsatz zu üben, etwa in einer Teambesprechung, bevor man sie bei einer großen Präsentation einsetzt. Mit etwas Übung lässt sich die Strategie so verfeinern, dass sie genau dann funktioniert, wenn man sie am meisten braucht.

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