Alstom-Aktie bricht um 27 Prozent ein nach Gewinnwarnung
Der französische Zughersteller streicht seine Finanzziele – Anleger reagieren mit einem massiven Kurseinbruch.

Für Alstom-Aktionäre war der Freitag ein echter Schreckenst ag. Die Papiere des französischen Zugbauers schlossen mit einem Minus von rund 27 Prozent bei 16,64 Euro – ein heftiger Einbruch, der die Stimmung am Markt deutlich widerspiegelt. Zum Handelsauftakt war der Rückgang mit etwa 36 Prozent sogar noch gravierender, womit die Aktie kurzzeitig auf das Niveau vom Frühjahr 2024 abrutschte. Gemessen an den Jahreshochs vom Februar hat sich der Kurs damit in kurzer Zeit nahezu halbiert.
Auslöser für den Kursverfall ist eine Rücknahme der Finanzziele für das laufende Geschäftsjahr. Alstom korrigierte sowohl den angestrebten freien Barmittelzufluss als auch die Prognose für die operative Marge nach unten. Damit enttäuschte das Unternehmen die Erwartungen der Anleger empfindlich.
Neuer Konzernchef erklärt die Misere
Verantwortlich für die schlechten Nachrichten macht der erst seit diesem Monat amtierende Vorstandschef Martin Sion den schleppenden Fortschritt bei wichtigen Projekten. Konkrete Angaben dazu, welche Projekte oder Regionen von den Verzögerungen betroffen sind, machte Alstom jedoch nicht. Diese Informationslücke dürfte bei Investoren zusätzliche Unsicherheit ausgelöst haben.
Die Reaktion der Analysten fiel unterschiedlich aus. Martin Wilkie von der Citibank bezeichnete die Entwicklung zwar als Rückschlag, hält aber an seiner Kaufempfehlung fest. Er wertet die Warnung als eine Verzögerung im Turnaround-Prozess – nicht als dessen Ende. Auch Jefferies änderte seine bestehende Kaufempfehlung nicht. Die Experten dort verweisen auf eine weiterhin hohe Nachfrage und wachsende Auftragsbestände. Das eigentliche Problem liege derzeit in der Projektausführung, nicht in der Auftragslage.
Deutsche Bank stuft ab – Verschuldung im Fokus
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Zur AktienanalyseDeutlich kritischer äußerte sich Gael de-Bray von der Deutschen Bank. Er stufte Alstom auf „Hold" herab und senkte seine Schätzungen für das Ergebnis je Aktie in den kommenden Jahren im Schnitt um 18 Prozent. Zusätzlich erwartet er einen spürbaren Anstieg der Unternehmensverschuldung. De-Bray konstatierte, der Konzern teste die Geduld der Investoren erheblich. Langfristig sieht jedoch auch er signifikantes Wertpotenzial in der Aktie.
Für Privatanleger bleibt die Lage bei Alstom damit angespannt. Auf der einen Seite stehen strukturell positive Faktoren wie hohe Nachfrage und volle Auftragsbücher. Auf der anderen Seite sorgen Projektverzögerungen, eine drohend steigende Verschuldung und die fehlende Transparenz über die betroffenen Regionen und Aufträge für erhebliche Unsicherheit. Ob der neue Konzernchef Martin Sion die Trendwende gelingt, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen müssen.


