Allianz nutzt Katastrophenanleihe zur Preiskontrolle bei Rückversicherungen
Innovative Finanzierungsstrategie stärkt Versicherungskonzern im Wettbewerb gegen steigende Risikokosten

Die steigenden Preise für Rückversicherungen zur Absicherung von Großrisiken wie Naturkatastrophen haben Versicherer in den letzten Jahren vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Die Allianz, einer der führenden Versicherungskonzerne weltweit, hat nun einen ungewöhnlichen Schritt unternommen, um diesen Preisanstiegen zu begegnen. Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt hat das Unternehmen eine sogenannte Katastrophenanleihe ausgegeben, um sich gegen Naturkatastrophenrisiken abzusichern.
Diese spezielle Anleihe ermöglicht es professionellen Investoren, auf die Wahrscheinlichkeit einer Naturkatastrophe in einem bestimmten Zeitraum zu wetten. Sie gehen dabei ein hohes Risiko ein, haben jedoch die Möglichkeit auf eine hohe Rendite, sofern keine Katastrophe eintritt. Im Falle einer Naturkatastrophe verlieren die Investoren jedoch ihren gesamten Einsatz.
Die Allianz hat 250 Millionen Euro in diese Anleihe investiert, um Windsturmrisiken in Europa für den Zeitraum von Januar 2024 bis Dezember 2026 abzusichern. Interessanterweise ist die Absicherung von Großrisiken über eine Katastrophenanleihe inzwischen teilweise kostengünstiger als der traditionelle Rückversicherungsschutz, der von Unternehmen wie Munich Re oder Swiss Re angeboten wird.
Diese Ankündigung der Allianz, kurz vor Ende des Jahres, wenn Versicherer und Rückversicherer Verträge verhandeln, kann als klare Kampfansage betrachtet werden. Sie zielt darauf ab, die gute Performance der Unternehmensaktien weiter zu steigern, was sich nach der Ankündigung bereits in einem Anstieg von rund einem Prozent der Aktienkurse niederschlug.
Die Hintergründe dieser Entwicklung liegen in einem Preiskampf zwischen den Endkundenversicherern wie Allianz oder Axa und den Rückversicherern, zu denen Unternehmen wie Munich Re gehören. Letztere müssen einspringen, wenn die Versicherungsunternehmen nach einer Naturkatastrophe mehr Schäden begleichen müssen, als sie ursprünglich kalkuliert hatten. Der Klimawandel hat zudem das Auftreten von Naturkatastrophen, selbst in Europa, wahrscheinlicher gemacht.
Um dies zu verdeutlichen, kann man sich vorstellen, dass ein Versicherer normalerweise davon ausgeht, dass in einer bestimmten Stadt nur eine begrenzte Anzahl von Autounfällen pro Jahr auftritt und diese als Schaden gemeldet werden. Ein plötzliches Hagelunwetter oder ein Sturm kann jedoch dazu führen, dass fast alle Autos innerhalb kürzester Zeit Schäden erleiden, was den Versicherer überfordern würde. In solchen Fällen übernimmt der Rückversicherer die Zahlung der Schäden und erhält dafür einen Teil der Kundengelder.
Die Rückversicherer haben die Preise für ihren Schutz in letzter Zeit stark erhöht, unter anderem aufgrund steigender Inflation und Nachfrage. Dies hat dazu geführt, dass die Rückversicherer die Preise praktisch diktieren können, was vor allem kleinere, lokal tätige Erstversicherer vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Zusätzlich zu diesen Entwicklungen sind die Versicherer mit der anhaltend hohen Inflation konfrontiert, was die Kosten für die Begleichung von Schäden erhöht, während die Beitragszahlungen der Kunden oft erst später angepasst werden.
Die Allianz hat sich nun für die Ausgabe einer Katastrophenanleihe entschieden, um diesem Preiskampf mit den Rückversicherern entgegenzuwirken. Durch die Anleihe überträgt sie das Risiko von Großschäden durch Stürme in Europa auf den Kapitalmarkt. Institutionelle Investoren können die Anleihe über eine eigens dafür gegründete Zweckgesellschaft erwerben. Solange die vorher festgelegte Katastrophe nicht eintritt, erhalten die Investoren während der Laufzeit der Anleihe die versprochenen Zinsen und am Ende ihr investiertes Kapital zurück. Tritt jedoch eine Katastrophe ein, verlieren die Anleger ihren gesamten Einsatz.
Die Zinsen für diese Katastrophenanleihe der Allianz liegen bei 5,75 Prozent pro Jahr, bereinigt um das Risiko eines Totalausfalls. Privatanleger haben keine Möglichkeit, an solchen Geschäften teilzunehmen. Für institutionelle Anleger stellen "Cat Bonds", wie Katastrophenanleihen auch genannt werden, eine hochverzinste, aber riskante Ergänzung für ihre Portfolios dar.
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Zur AktienanalyseEs ist nicht klar, ob die Ausgabe dieser Katastrophenanleihe auf gescheiterten Verhandlungen zwischen der Allianz und den Rückversicherern beruht. Das Unternehmen selbst hat dazu keine Stellungnahme abgegeben, aber aus informierten Kreisen heißt es, dass die Allianz bei diesem Geschäft kostengünstiger weggekommen sei als bei einer klassischen Absicherung über einen Rückversicherer.
Die Munich Re, der weltweit größte Rückversicherer, sieht jedoch keine ernsthafte Konkurrenz in ihrem Kerngeschäft. Ein Sprecher erklärte, dass die Munich Re nach wie vor ausreichend profitables Marktpotenzial im traditionellen Rückversicherungsgeschäft sehe.
Unabhängig davon wird der Schritt der Allianz, in ihrem Kerngeschäft in Europa auf eine Katastrophenanleihe zurückzugreifen, in der Versicherungsbranche als klare Kampfansage gegenüber den etablierten Rückversicherern wahrgenommen. Diese haben in den letzten Jahren hohe Gewinne erzielt und die Preise trotz geringer Schadenbelastung erhöht, was Versicherungsunternehmen dazu zwingt, nach Alternativen zu suchen. Auch die Versicherungskammer Bayern (VKB) plant eine Katastrophenanleihe, um sich gegen Großschäden durch Erdbeben, Fluten, Hagel und Stürme in Deutschland abzusichern, was zeigt, dass dieser Ansatz in der Branche an Bedeutung gewinnt.


