Allbirds wird Smartbird: KI-Schwenk mit neuer CEO und Kursrally
Das einstige Schuhunternehmen Allbirds benennt sich in Smartbird um, ernennt eine neue CEO und setzt seinen radikalen KI-Kurswechsel fort.

Das frühere Schuhunternehmen Allbirds vollzieht seinen Wandel zur KI-Firma konsequent weiter: Zwei Monate nach der überraschenden Neuausrichtung auf künstliche Intelligenz gibt das Unternehmen nun seinen neuen Namen bekannt – Smartbird – und ernennt gleichzeitig eine neue Vorstandsvorsitzende. Die Aktie reagierte mit einem kräftigen Kursanstieg auf die Neuigkeiten.
Als neue CEO tritt Nadia Carlsten an die Spitze des Unternehmens und löst damit den bisherigen Chef Joe Vernachio ab. Carlsten bringt einschlägige Erfahrung im Technologiebereich mit: Sie leitete zuvor das Quantencomputing-Zentrum von Amazon Web Services und war für das US-Heimatschutzministerium tätig. Zuletzt führte sie DCAI, ein Unternehmen für KI-Infrastruktur, das eine Partnerschaft mit Nvidia eingegangen ist und den Supercomputer Gefion betreibt.
Vom Schuh zum Supercomputer: Die Transformation im Überblick
Die Neuausrichtung von Allbirds begann im April mit einer Ankündigung, die Investoren überraschte: Das Unternehmen gab bekannt, die Schuhproduktion aufzugeben und stattdessen in KI-Recheninfrastruktur und Hardware zu investieren. Damals firmierte das Unternehmen zunächst in NewBird AI um – die Marktkapitalisierung versiebenfachte sich daraufhin. Bereits einen Monat zuvor hatte Allbirds seine Schuhsparte für 39 Millionen US-Dollar an die Markenmanagement-Gesellschaft American Exchange Group verkauft. Im Februar hatte das Unternehmen zudem seine regulären US-Ladengeschäfte geschlossen.
Allbirds steht mit diesem Strategiewechsel nicht allein. Das Unternehmen reiht sich in eine wachsende Gruppe von Firmen ein, die auf den KI-Boom aufspringen, der Ende 2022 durch das Debüt von ChatGPT ausgelöst wurde. Nur einen Tag nach der Umbenennung von Allbirds vollzog auch der Social-Media-Plattformanbieter Myseum einen ähnlichen Schwenk zur KI.
Kein neues Phänomen an der Wall Street
Solche Strategiewechsel hin zu aktuellen Technologietrends sind an der Wall Street historisch betrachtet kein Novum. Auf dem Höhepunkt des Krypto-Hypes kündigten mehrere Unternehmen eigene Kryptowährungen an oder wechselten zur Blockchain-Technologie. Ein prominentes Beispiel für einen erfolgreichen Wandel ist das KI-Infrastrukturunternehmen CoreWeave, das im vergangenen Jahr an die Börse ging und ursprünglich im Bereich Krypto-Mining tätig war, bevor es erfolgreich auf KI umschwenkte.
Allbirds wurde im Jahr 2015 vom ehemaligen Fußballprofi Tim Brown und dem Experten für erneuerbare Ressourcen Joey Zwillinger gegründet. Die Vision: nachhaltige Schuhe aus natürlichen Materialien. Ein Jahr nach der Gründung brachte das Unternehmen seinen ersten Schuh auf den Markt und entwickelte sich rasch zu einer bekannten Marke. 2021 folgte der Börsengang an der Nasdaq, bei dem die Aktie am ersten Handelstag um beeindruckende 90 Prozent zulegte.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAbsturz von fast 99 Prozent vor dem Neustart
Doch der Erfolg hielt nicht an. Zunehmender Wettbewerb und nachlassende Trends setzten dem Unternehmen stark zu. Gegenüber dem Allzeithoch von 577,80 US-Dollar im November 2021 brachen die Aktien über die Jahre um fast 99 Prozent ein – ein dramatischer Wertverlust, der den Druck auf das Management erhöhte, neue Wachstumswege zu finden. Der nun vollzogene Schwenk in Richtung KI-Infrastruktur ist vor diesem Hintergrund als Versuch zu verstehen, das Unternehmen grundlegend neu zu positionieren und verlorenes Anlegervertrauen zurückzugewinnen.


