Alberta hebt Grenze für Gasabfackeln auf
Ölboom treibt Emissionen – Regulierungsbehörde streicht Limit trotz steigender Umweltbelastung

Energieproduzenten in der kanadischen Provinz Alberta haben im Jahr 2024 zum zweiten Mal in Folge die selbstgesetzte Obergrenze für das Abfackeln von Erdgas überschritten. Laut Berechnungen von Reuters flammten Öl- und Gasunternehmen rund 912,7 Millionen Kubikmeter Erdgas ab – ein Überschreiten des festgelegten Jahreslimits von 670 Millionen Kubikmetern um 36 Prozent. Bereits im Jahr 2023 hatte die Branche mit 753 Millionen Kubikmetern das Limit deutlich überschritten.
Inmitten dieses Anstiegs verkündete die Energieaufsicht der Provinz überraschend die Abschaffung der Flare-Grenze. Die Maßnahme wurde stillschweigend in einem Bulletin auf der Website der Regulierungsbehörde veröffentlicht. Auf Nachfrage bestätigte die Behörde die Streichung der Regelung und verwies auf eine entsprechende Weisung der Provinzregierung.
Das Abfackeln von Erdgas – eine Praxis, bei der überschüssiges Begleitgas aus der Ölproduktion verbrannt wird – erfolgt meist dann, wenn die Gasmenge zu gering ist oder keine Pipelineanbindung besteht. Es gilt als wirtschaftlich praktikable Lösung, verursacht aber dennoch erhebliche Emissionen. Nach Einschätzung der Weltbank könnte ein Verzicht auf das routinemäßige Abfackeln jährlich mindestens 381 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente einsparen.
Ryan Fournier, Sprecher der Umweltministerin von Alberta, erklärte, dass die Regierung nach der Überschreitung im Jahr 2023 eine Überprüfung der Flare-Politik eingeleitet habe. Dabei sei man zu dem Schluss gekommen, dass die seit 20 Jahren bestehende Regelung angesichts der gestiegenen Ölförderung und neuer Strategien zur Emissionsreduzierung nicht mehr zeitgemäß sei.
Die Rohölproduktion der Provinz erreichte im Jahr 2024 mit 1,5 Milliarden Barrel einen neuen Höchststand, ein Anstieg um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die zunehmende Fördermenge trug zur höheren Abfackelmenge bei. Bereits ein Bericht des Alberta Energy Regulator aus dem Jahr 2022 hatte aufgezeigt, dass die Flare-Volumina seit 2016 kontinuierlich zunehmen.
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Zur AktienanalyseEin Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2024 stellte zudem fest, dass das weltweite Abfackeln trotz nur moderat gestiegener Ölproduktion weiter zugenommen hat. Fachleute weisen darauf hin, dass trotz der Umweltvorteile gegenüber dem Entweichenlassen von Gas (Venting) auch beim Abfackeln Schadstoffe und Rußpartikel freigesetzt werden, die die Gesundheit beeinträchtigen können.
Nach Einschätzung von Amanda Bryant, Analystin beim Pembina Institute, stünden Unternehmen technische Alternativen zur Verfügung, um das Gas vor Ort aufzufangen und wiederzuverwenden. Sie betonte, dass die Abschaffung der Regelung das Problem nicht löse und die Aufgabe der Regulierungsbehörde weiterhin darin bestehen müsse, negative Auswirkungen der Industrie zu verhindern.

