Alan Greenspan: Sein bleibendes Erbe für Amerika und die Fed
Kevin Warsh würdigt Alan Greenspan als den Mann, der die Federal Reserve für die breite Öffentlichkeit erst sichtbar machte.

Als Kevin Warsh, der derzeitige Vorsitzende der Federal Reserve, seinem Vater im Jahr 2006 von seiner Nominierung als Fed-Gouverneur erzählte, fiel die Antwort des Kleinstadt-Geschäftsmanns bezeichnend aus: „Das Ding, das Greenspan leitet." Dieser Satz sagt viel darüber aus, welche Bedeutung Alan Greenspan für das amerikanische Bewusstsein erlangt hatte. Greenspan war für die breite Öffentlichkeit nicht nur der Chef der Zentralbank – er war die Zentralbank.
Alan Greenspan trat als Vorsitzender der Federal Reserve zurück, kurz bevor Warsh im Jahr 2006 in das Board of Governors eintrat. Doch sein Einfluss auf die Institution und das öffentliche Leben Amerikas wirkt bis heute nach. Als Amerikas einziger wirklich prominenter Zentralbanker hob Greenspan die Fed in eine gesellschaftliche Bedeutung, die sie seither nicht mehr verloren hat.
Greenspans historische Amtszeit
Die Wall Street wusste schon immer, dass die Federal Reserve entscheidend für die wirtschaftliche Gesundheit der Nation ist. Nach Greenspans 18-jähriger Amtszeit von 1987 bis 2006 wusste dies auch die breite Öffentlichkeit. Begriffe wie „irrationaler Überschwang" – eine seiner bekanntesten Formulierungen – gehören heute zum allgemeinen Sprachgebrauch, weit über Finanzkreise hinaus.
Der nicht gewählte Greenspan war in vielerlei Hinsicht einflussreicher als die gewählten Amtsträger, die ihn immer wieder im Amt bestätigten. Sein Einfluss beruhte auf zwei wesentlichen Säulen: seinem nachweisbaren Erfolg und seiner Fähigkeit, stets den Eindruck zu vermitteln, genau zu wissen, was er tat.
Inflation besiegt, Wachstum gesichert
Sein Vorgänger Paul Volcker hatte die zweistellige Inflation der späten 1970er und frühen 1980er Jahre bekämpft und besiegt – eine der größten geldpolitischen Herausforderungen der amerikanischen Nachkriegsgeschichte. Greenspan übernahm dieses Erbe und senkte die Inflationsrate auf rund 2 Prozent, wo er sie über viele Jahre stabil hielt.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus leitete Greenspan die damals längste wirtschaftliche Expansion in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Von 1991 bis 2001 erlebte Amerika ein Jahrzehnt des kontinuierlichen Wachstums – eine Periode, die in der Wirtschaftsgeschichte des Landes als außergewöhnlich gilt. Für viele Amerikaner verkörperte Greenspan in dieser Zeit wirtschaftliche Stabilität und Kompetenz in Person.
Greenspan verstand und interpretierte die Wirtschaft nach Einschätzung seiner Zeitgenossen besser als jeder andere. Diese Kombination aus messbaren Erfolgen und intellektueller Autorität machte ihn zu einer Figur, die weit über das Finanzwesen hinaus Wirkung entfaltete. Für deutsche Beobachter lässt sich sein Einfluss am ehesten mit dem vergleichen, den die Bundesbank und später die Europäische Zentralbank auf das wirtschaftspolitische Bewusstsein in Europa ausüben – mit dem Unterschied, dass Greenspan diesen Einfluss in besonderem Maße mit seiner persönlichen Autorität verband.


