AkzoNobel lehnt 12,5-Milliarden-Übernahmeangebot von Nippon Paint ab
Der Dulux-Hersteller weist ein gemeinsames Angebot von Nippon Paint und Sherwin-Williams zurück und hält an der geplanten Axalta-Fusion fest.

Der niederländische Farben- und Lackhersteller AkzoNobel hat am Mittwoch ein Barübernahmeangebot in Höhe von 12,5 Milliarden Euro (rund 14,6 Milliarden US-Dollar) der Konkurrenten Nippon Paint und Sherwin-Williams abgelehnt. Die Aktie des Dulux-Herstellers reagierte mit einem Kurssprung von rund 20 Prozent und steuerte damit auf ihren besten Handelstag seit mindestens Oktober 2008 zu.
Das Konsortium hatte einen Angebotspreis von 73 Euro je Aktie geboten – ein Aufschlag von 39 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs von 52,52 Euro. Bis 12:41 Uhr GMT kletterten die Papiere auf 63 Euro. Trotz des deutlichen Aufschlags reichte das Angebot dem AkzoNobel-Vorstand nicht aus.
Warum AkzoNobel ablehnte
AkzoNobel begründete die Ablehnung mit mehreren Punkten: Der unverbindliche Vorschlag bewerte das Unternehmen unter Wert, biete keine ausreichende Transaktionssicherheit hinsichtlich regulatorischer Genehmigungen und hätte das Unternehmen zwischen den beiden Bietern aufgespalten. Laut dem Plan hätte Nippon Paint die Bereiche Dekorationsfarben und Industrielacke übernommen, während die Sparten für Automobil-, Schiffs- und Pulverbeschichtungen an Sherwin-Williams gegangen wären.
„Keiner der Vorschläge qualifizierte sich im Vergleich zur Axalta-Fusion als ‚potenziell überlegenes' Angebot", erklärte ein Sprecher von AkzoNobel. Das Maklerhaus MKI kommentierte in einer Mitteilung an Investoren, dass die Ablehnung wohl primär auf den Preis zurückzuführen sei. Die MKI-Analysten merkten zudem an, dass das Konsortium seinen Vorstoß bewusst auf einen Zeitpunkt mit niedrigem Aktienkurs gelegt haben könnte – und dass „das Konsortium noch mehr in der Hinterhand hat".
AkzoNobel setzt auf Axalta-Fusion
Der Vorstand des niederländischen Unternehmens hält stattdessen an der geplanten Fusion mit dem US-Lackhersteller Axalta fest. Die Aktionäre sollen Anfang Juli über den Deal abstimmen. Das fusionierte Unternehmen würde einen kombinierten Unternehmenswert von 25 Milliarden US-Dollar erreichen und von AkzoNobel-CEO Greg Poux-Guillaume geleitet werden. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Beide Parteien beziffern die jährlichen Kosteneinsparungen auf 600 Millionen US-Dollar, die meisten davon innerhalb der ersten drei Jahre.
Für Nippon Paint und Sherwin-Williams dürfte ein Erfolg schwierig werden. AkzoNobel verfügt über eine sogenannte „Stichting" – eine niederländische Rechtsform, die als Übernahmeschutz konzipiert ist und 48 Prioritätsaktien mit jeweils 400 Stimmen hält. Diese Stichting bekennt sich fest zur Axalta-Fusion. Sollten die Aktionäre den Axalta-Deal ablehnen, könnte die Stichting das Übernahmeangebot des Konsortiums blockieren, sodass AkzoNobel gänzlich ohne Abschluss dastünde, so MKI.
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Zur AktienanalyseNicht das erste Mal: Parallelen zu 2017
Es ist nicht das erste Mal, dass AkzoNobel ein Übernahmeangebot abwehrt. Bereits 2017 lehnte das Unternehmen ein ähnliches Angebot des US-Konzerns PPG Industries aus Pittsburgh ab. Damals wie heute setzt AkzoNobel auf Eigenständigkeit und strategische Partnerschaften statt auf eine feindliche Übernahme.
Laut den MKI-Analysten müssten Nippon Paint und Sherwin-Williams einen deutlich höheren Preis sowie weitreichende Zusagen bieten, um den AkzoNobel-Vorstand zum Umdenken zu bewegen. Ob das Konsortium ein verbessertes Angebot vorlegen wird, bleibt abzuwarten. Die Situation zeigt einmal mehr, wie komplex und vielschichtig Übernahmeprozesse im internationalen Farben- und Beschichtungsmarkt sein können.


