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Aktivist Findell fordert radikale Reformen bei Figma-Aktie

Hedgefonds Findell Capital sieht Figma als massiv unterbewertet und drängt auf Produktfokus, Kostensenkungen und bessere Corporate Governance.

Aktivist Findell fordert radikale Reformen bei Figma-Aktie

Der aktivistische Hedgefonds Findell Capital Management hat eine umfassende Kampagne gegen das Softwareunternehmen Figma Inc (NYSE: FIG) gestartet. In einem Brief an den Vorstand sowie einem am Donnerstag veröffentlichten Aktivistenbericht erklärt Findell die Design-Plattform für deutlich unterbewertet. Der Fonds argumentiert, dass der sogenannte „Adobe-Killer" von den öffentlichen Märkten fälschlicherweise abgestraft werde – und zwar aufgrund unbegründeter Ängste vor Disruption durch künstliche Intelligenz.

Besonders auffällig ist die Bewertungslücke, die Findell ins Feld führt: Figma wird derzeit mit knapp der Hälfte der 20-Milliarden-Dollar-Bewertung gehandelt, die Adobe Systems (NASDAQ: ADBE) im Jahr 2022 bereit war zu zahlen – obwohl der Umsatz der letzten zwölf Monate das Dreifache des Niveaus erreicht hat, das zum Zeitpunkt des ursprünglichen Übernahmeangebots generiert wurde. Die Aktie notiert zudem 74,9 % unter ihrem Höchststand beim Börsendebüt und hat allein in den letzten drei Monaten 27,4 % an Wert verloren.

Produktportfolio soll auf vier Kernanwendungen schrumpfen

Um den Shareholder Value zu steigern, fordert Findell eine deutliche Straffung der Produktorganisation. Konkret soll das aktuelle Portfolio von acht Angeboten auf vier Kernanwendungen reduziert werden. Der Fonds empfiehlt, die Produkte Design, Dev Mode, FigJam und Make zu priorisieren. Weniger erfolgreiche Tools wie Slides und Sites sollen hingegen vollständig eingestellt oder neu verpackt werden, um aufgeblähte Entwicklungskosten zu eliminieren.

Neben dem Produktfokus nimmt Findell auch die Unternehmensausgaben ins Visier. Besonders die aktienbasierte Vergütung sticht hervor: Für das Jahr 2026 wird sie auf 27 % des Umsatzes prognostiziert – zum Vergleich: Bei Adobe liegt dieser Wert bei lediglich 8 %. Der Aktivist betont, dass eine Verschlankung des Produktportfolios es dem Unternehmen ermöglichen würde, die Forschungs- und Entwicklungskosten sicher zu senken, ohne den wettbewerbsrelevanten „Burggraben" zu gefährden.

Interessenkonflikt rund um KI-Startup Anthropic

Über die Finanzkennzahlen hinaus schlägt Findell Alarm in Bezug auf Corporate-Governance-Fragen und potenzielle Interessenkonflikte im Zusammenhang mit dem KI-Startup Anthropic. Der Fonds fordert eine unabhängige Untersuchung durch den Vorstand, ob Anthropic vertrauliche Informationen von Figma missbräuchlich verwendet hat, bevor es im April sein Konkurrenztool Claude Design auf den Markt brachte.

Besonders brisant: Mike Krieger, Chief Product Officer von Anthropic, trat nur wenige Tage vor der Veröffentlichung von Claude Design aus dem Vorstand von Figma zurück. Darüber hinaus unterhalten zwei verbleibende Figma-Direktoren, die die Venture-Capital-Firmen Kleiner Perkins und Sequoia Capital vertreten, über ihre jeweiligen Firmen ein erhebliches wirtschaftliches Engagement bei Anthropic. Findell sieht darin einen klaren Interessenkonflikt, der einer unabhängigen Prüfung bedarf.

Die KI-Sorgen, die den Kursrückgang bei Figma maßgeblich befeuert haben, hält Findell für übertrieben. Der Fonds argumentiert, dass Claude Design primär auf Design-Tools wie Sketch abziele – und nicht auf Figma selbst.

Kursziel von 40 Dollar – oder Übernahme für 50 Dollar

Obwohl Findell seine konkrete Beteiligung an Figma nicht offengelegt hat – das jüngste 13F-Filing vom 15. Mai wies Long-Aktienpositionen im Wert von 341,43 Millionen Dollar aus, verankert durch eine Position von 132,17 Millionen Dollar in Liquidia Technologies –, gibt der Fonds ein optimistisches 12-Monats-Kursziel von 40 Dollar pro Aktie aus. Dies impliziert auf Basis fundamentaler Kennzahlen ein Aufwärtspotenzial von rund 80 %.

Sollte der Vorstand die empfohlenen operativen Verbesserungen nicht umsetzen, skizziert Findell eine strategische Untergrenze für eine Übernahme: 50 Dollar pro Aktie durch logische Interessenten wie Microsoft oder Alphabet. Die Figma-Aktie reagierte am Donnerstag im vorbörslichen Handel mit einem Plus von rund 1 % auf die Meldungen. Zusätzlichen Rückenwind lieferte eine Ersteinstufung der Analysten von JPMorgan auf „Neutral" mit einem Kursziel von 42 Dollar pro Aktie.

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