Airline-Aktien nach Ölpreis-Höchststand: Chancen und Risiken im Überblick
Historisch übertreffen Airline-Aktien den Markt nach Ölpreis-Hochs – doch Analysten warnen vor trübem Nachfrageausblick.

Aktien von Fluggesellschaften haben sich in der Vergangenheit in den Monaten nach einem Höchststand der Ölpreise überdurchschnittlich entwickelt. Doch Analysten warnen, dass die aktuelle Nachfragesituation eine eindeutig bullishe Einschätzung erschwert – insbesondere für Fluggesellschaften, die noch immer mit den Folgen des diesjährigen Energieschocks zu kämpfen haben.
Scott Group, Analyst bei Wolfe Research, erklärte in einer Mitteilung an Kunden, dass der starke Rückgang der Kerosinpreise nach der Ankündigung des Waffenstillstands zwischen den USA und dem Iran eine willkommene Entwicklung für den Sektor sei. Er verwies dabei auf Delta Air Lines, die den Umsatz pro angebotener Sitzmeile (RASM) für das zweite Quartal auf über 13 Prozent prognostiziert habe. Das liegt deutlich über der vorherigen Schätzung von Wolfe Research von 9 Prozent und weit über der ursprünglichen Prognose der Firma vor dem Ölpreisanstieg von 5 Prozent.
Historische Muster sprechen für Airline-Aktien
Historische Daten zeigen laut Group, dass Luftfahrtaktien in den Zeiträumen von einem, drei und sechs Monaten nach einem Ölpreis-Höchststand dazu tendieren, den breiteren Markt zu übertreffen. Allerdings weist er auf ein zentrales Risiko hin: „Jedem dieser Ölpreishöchststände folgte im darauffolgenden Jahr ein niedrigerer RASM im Jahresvergleich", schrieb er. Die entscheidende Frage sei daher, ob die Fluggesellschaften ihre Umsatzdynamik beibehalten können, wenn sich die Treibstoffkosten normalisieren.
Group modelliert für Delta im nächsten Jahr bereits einen niedrigeren Passagier-RASM im Jahresvergleich – als teilweisen Ausgleich für die normalisierten Treibstoffpreise. Dies verdeutlicht, dass der Rückenwind durch günstigeres Kerosin nicht automatisch zu steigenden Gewinnen führt, wenn gleichzeitig die Erlöse pro Sitzmeile unter Druck geraten.
Vorsicht wegen Nachfragerisiken
Peter Corey, Chefmarktstratege bei Pave Finance, bietet eine noch vorsichtigere Einschätzung. Er stellt fest, dass sich die relative Stärke der Fluggesellschaften im Vergleich zum S&P 500 nicht verlässlich verbessert, nur weil das Öl seinen Höchststand erreicht hat und zu fallen beginnt. „Niedrigere Treibstoffkosten helfen zwar den Margen, aber wenn der Rohölpreis stark genug ansteigt, wirkt dies auch wie eine Steuer für den Verbraucher und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Abkühlung", sagte Corey.
Da Fluggesellschaften eine klassische zyklische Branche sind, kann eine schwächere Reisenachfrage den Vorteil billigeren Treibstoffs laut Corey leicht zunichtemachen. „Nach bedeutenden Ölpreishöchstständen hört der Markt oft auf, sich auf die Entlastung bei den Treibstoffkosten zu konzentrieren, und richtet sein Augenmerk stattdessen auf das Nachfragerisiko", fügte er hinzu. Für deutsche Anleger ist dieser Punkt besonders relevant, da eine konjunkturelle Abkühlung in Europa die Buchungszahlen europäischer Carrier wie IAG oder Ryanair direkt belasten würde.
Chartbilder zeigen mögliche Bodenbildung
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Zur AktienanalyseDavid Morrison, Senior Market Analyst bei Trade Nation, analysierte die Kursentwicklung großer Fluggesellschaften und kommt zu einem aufschlussreichen Befund. „Zunächst einmal hatten die meisten seit Februar, und in einigen Fällen seit Jahresbeginn, eine schwierige Zeit. Aber jetzt sieht es so aus, als ob IAG zusammen mit United, American und Southwest Airlines alle eine Bodenbildung vollziehen und möglicherweise nach oben drehen", erklärte er.
Bei Ryanair verlief die Trendwende laut Morrison deutlich schärfer mit einer weniger ausgeprägten Bodenbildungsstruktur und sei daher möglicherweise weniger verlässlich. Delta Air Lines habe hingegen nicht übermäßig gelitten und verfüge über den zusätzlichen Vorteil, ein Mineralölunternehmen zu besitzen – ein struktureller Puffer gegen Kerosinpreisschwankungen.
Morrison weist darauf hin, dass Anleger offenbar weiterhin davon überzeugt sind, dass sich der aktuelle Konflikt als relativ kurz erweisen wird und größere Störungen minimal bleiben sollten. „Händler behalten die Rohöl-Futures, insbesondere Brent, genau im Auge, die derzeit eine deutliche Preisentspannung bis zum Sommer prognostizieren", so Morrison. Er erwartet eine Erholungsrallye bei Airline-Aktien, sobald die Straße von Hormus wieder für den Transit geöffnet wird – warnt jedoch ausdrücklich: „Alle Wetten sind hinfällig", falls der Iran weiterhin den Großteil des Schiffsverkehrs durch die strategisch wichtige Meerenge kontrolliert und blockiert.


