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Airbus sichert Milliarden für den A320-Nachfolger eAction

Mit einem EIB-Kredit von bis zu drei Milliarden Euro treibt Airbus seinen neuen Mittelstreckenjet voran – ein Projekt für die Existenz des Konzerns.

Airbus sichert Milliarden für den A320-Nachfolger eAction

Airbus-Chef Guillaume Faury hat in dieser Woche eine wegweisende Vereinbarung unterzeichnet: Der europäische Flugzeugbauer sichert sich die erste Tranche eines Staatskredits der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von insgesamt bis zu drei Milliarden Euro. Das Geld fließt offiziell in Europas technologische Stärke und die Luftfahrtindustrie – doch für Branchenkenner ist das Ziel eindeutig.

„Das ist eine große Anschubfinanzierung für den Nachfolger des A320", sagt Michael Santo von der Münchner Beratung H&Z. Tatsächlich nennt das EIB-Abkommen ausdrücklich „innovative Fertigungslösungen, Fortschritte bei der Dekarbonisierung und digitale Ökosysteme" – genau jene drei Kernbereiche, die Airbus intern unter dem Projektnamen „eAction" bündelt. Der Zeitplan bestätigt den Verdacht: Die Förderung läuft bis 2030, dem Jahr, in dem der Verkauf des neuen Jets starten soll.

Warum eAction für Airbus existenziell ist

Die wirtschaftliche Zukunft des Konzerns hängt maßgeblich an der A320-Familie, die seit rund 40 Jahren das Rückgrat des Unternehmens bildet. Deren Nachfolger zu entwickeln, ist keine strategische Option – es ist eine Notwendigkeit. Doch die Finanzierung aus eigener Kraft ist für Airbus alles andere als selbstverständlich.

Die früher üblichen Länderdarlehen von Deutschland, Frankreich und Spanien – rückzahlbar erst nach Einspielen der Entwicklungskosten – sind seit einer Einigung mit der Welthandelsorganisation und den USA tabu. Damit entfällt ein bewährtes Finanzierungsmodell, das Airbus bei früheren Programmen genutzt hatte. Die EIB springt nun in diese Lücke.

Das Programm wird teuer: Experten rechnen mit Entwicklungskosten von bis zu 20 Milliarden Euro – mehr als bei jedem Passagierjet zuvor. Der Grund liegt in den ambitionierten Zielvorgaben von Faury: Die Betriebskosten des eAction sollen bis zu 30 Prozent unter denen des A320neo und des Boeing-Konkurrenten 737 Max liegen. Bei früheren Generationswechseln reichten 20 Prozent. Dieser größere Effizienzsprung erfordert neue Triebwerke, eine aerodynamisch überarbeitete Flügel- und Rumpfform sowie tiefgreifende Änderungen am Gesamtdesign.

Faury will Boeing und Comac zuvorkommen

Airbus plant, den eAction ab 2037 auszuliefern. Dafür hat Faury die ursprünglichen Pläne für einen Wasserstoffantrieb aufgegeben – Geschwindigkeit hat Vorrang. Boeing hat die Entwicklung eines Konkurrenzmodells nach zahlreichen Produktionsproblemen auf Druck seiner Aktionäre vorerst eingestellt. „Ich mag dieses Denken", so Faury, der den Zeitvorsprung so lange wie möglich nutzen will.

Doch der Wettbewerb schläft nicht. Gleich zwei neue Anbieter drängen in das Segment der Mittelstreckenjets: Embraer aus Brasilien gilt als zuverlässiger Lieferant, und Comac aus China verfügt über üppige staatliche Förderung. Das bisherige Duopol zwischen Airbus und Boeing könnte damit erstmals echtem Wettbewerb weichen – mit dem Risiko eines Überangebots und Preisdrucks bei neuen Flugzeugen. „Wir haben ein sehr starkes Produkt", betont Faury. „Wir wollen nicht, dass andere das tun, wofür wir am besten geeignet sind."

Fabrik der Zukunft: 100 Jets pro Monat, 20 Prozent günstiger

Ein zentraler Baustein des Programms ist die vollständige Modernisierung der Fertigung. Statt der heute noch weitgehend analogen Prozesse soll ein hochgradig vernetztes und automatisiertes „Ökosystem Fabrik der Zukunft" entstehen – laut Faury „absolut entscheidend für die Zukunft von Airbus".

Die Ziele sind konkret: Die monatliche Produktion soll von derzeit rund 60 auf bis zu 100 Maschinen steigen. Gleichzeitig sollen die Herstellungskosten je Flugzeug um bis zu 20 Prozent sinken. Sonderwünsche der Airlines sollen künftig ohne großen Aufwand umsetzbar sein. „Da muss dann praktisch keiner mehr woanders kaufen, weil wir zu teuer sind oder zu spät liefern können", heißt es aus dem Unternehmen.

Für Privatanleger, die Airbus-Aktien im Depot halten oder beobachten, ist das Programm ein wichtiger Gradmesser: Der Konzern investiert massiv in seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit – mit staatlicher Rückendeckung und einem klaren Zeitplan bis zur Marktreife.

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