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Airbus beendet Streit mit Pratt & Whitney und übertrifft Erwartungen

Versöhnliche Töne in Toulouse: Airbus-Chef Faury erklärt den Triebwerksstreit für erledigt und meldet starke Halbjahreszahlen.

Airbus beendet Streit mit Pratt & Whitney und übertrifft Erwartungen

Airbus-Chef Guillaume Faury hat den monatelangen Konflikt mit dem US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney für weitgehend beigelegt erklärt. „Wir sind Partner", betonte Faury am Mittwochabend in Toulouse. Für das laufende Jahr sei der Streit um die Liefermengen kein Thema mehr — lediglich für das kommende Jahr laufen noch Gespräche. „Nach 2027 werden wir in einer deutlich normaleren Situation sein", so der Airbus-Chef.

Der Ton ist damit deutlich sanfter als noch im Frühjahr. Damals hatte Faury den amerikanischen Zulieferer in einem ungewöhnlichen Schritt öffentlich scharf kritisiert, weil Pratt & Whitney seine Lieferzusagen nicht einhalte und damit die Airbus-Produktion blockiere. Hintergrund: Die Amerikaner hatten einem Triebwerks-Rückruf Vorrang vor der Fertigung neuer Antriebe eingeräumt — zum Ärger des Flugzeugbauers. Pratt & Whitney kooperiert beim Bau von Triebwerken für den Airbus A320 sowie den kleineren A220 mit der Münchner MTU Aero Engines.

Auslieferungsziel von 870 Flugzeugen bekräftigt

Faury hält trotz der Lieferkettenturbulenzen der Vergangenheit an den ambitionierten Jahreszielen fest. Rund 870 Flugzeuge sollen 2026 ausgeliefert werden — das entspräche einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber 2025. „Rund 870" bedeute konkret eine Spanne zwischen 850 und 890 Maschinen, präzisierte Faury. Man habe „ein hohes Maß an Zuversicht", dieses Ziel zu erreichen. Laut einem Reuters-Bericht peilt Airbus intern sogar mehr als 900 Auslieferungen an.

Bereits auf der Luftfahrtmesse in Farnborough hatte Faury die verbesserte Lage der Lieferkette hervorgehoben: „Unsere Lieferkette ist in einem viel besseren Zustand." Gleichzeitig räumte er ein, dass einzelne Probleme bestehen bleiben dürften, sobald die Produktion weiter hochgefahren werde. Das Ziel, die Fertigung des Bestsellers A320neo bis Ende 2027 auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat zu steigern und danach bei 75 zu stabilisieren, bekräftigte Faury am Mittwoch erneut.

Starke Halbjahreszahlen übertreffen Analystenerwartungen

Die operativen Fortschritte spiegeln sich deutlich in den Finanzkennzahlen wider. Im ersten Halbjahr kletterte der Umsatz um zwölf Prozent auf 33,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte sogar um 24 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro zu. Analysten hatten im Schnitt mit rund 240 Millionen Euro weniger Ebit und 280 Millionen Euro weniger Umsatz gerechnet — Airbus hat die Erwartungen damit klar übertroffen.

Neben dem Zivilflugzeuggeschäft glänzte auch die Rüstungs- und Raumfahrtsparte, die zuletzt eine umfangreiche Sanierung durchlaufen hatte. Ihr operativer Gewinn hat sich im Halbjahr beinahe verdoppelt. Faury lobte das „starke Abschneiden bei Defence and Space" trotz eines komplexen und sich schnell verändernden Umfelds. „Wir fahren in allen Sparten hoch, um die wachsende Nachfrage nach unseren zivilen und militärischen Lösungen zu befriedigen", sagte der Konzernchef.

Jahresziele bestätigt — negativer Cash-flow erklärt

Für das Gesamtjahr hält Airbus an seinen Prognosen fest: ein bereinigtes Ebit von 7,5 Milliarden Euro sowie ein operativer Mittelzufluss (Free Cash-flow) von rund 4,5 Milliarden Euro. Dass der Cash-flow im ersten Halbjahr mit 1,17 Milliarden Euro negativ ausfiel, erklärte Finanzchef Thomas Toepfer mit dem gezielten Aufbau höherer Lagerbestände. Für Privatanleger ist das ein wichtiger Kontext: Der negative Halbjahres-Cash-flow ist demnach kein Alarmsignal, sondern eine bewusste strategische Entscheidung zur Produktionssicherung.

Insgesamt sendet Airbus damit klare Signale der Stabilisierung — sowohl auf der Lieferkettenseite als auch bei den Finanzkennzahlen. Die Entspannung im Verhältnis zu Pratt & Whitney und die deutlich verbesserte Rüstungssparte dürften Investoren positiv stimmen.

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