Air-Canada-Chef tritt nach Sprachstreit und Flugzeugabsturz zurück
Michael Rousseau verlässt die kanadische Fluggesellschaft nach massiver Kritik an seiner Krisenreaktion auf Englisch.

Der Vorstandsvorsitzende von Air Canada, Michael Rousseau, tritt zurück. Der 68-Jährige gab bekannt, zum Ende des dritten Quartals in den Ruhestand zu wechseln – inmitten heftiger Kritik an seinem Krisenmanagement nach einem tödlichen Unglück am New Yorker Flughafen LaGuardia.
Am 22. März kollidierten zwei Flugzeuge auf der Start- und Landebahn des Flughafens. Bei dem Unfall kamen die beiden Piloten eines Air-Canada-Express-Fluges ums Leben, Dutzende Passagiere wurden verletzt. Rousseaus Reaktion auf die Tragödie sorgte jedoch für zusätzlichen Aufruhr: Er veröffentlichte eine Videobotschaft ausschließlich auf Englisch – ohne ein einziges Wort Französisch.
Das war in Kanada ein politischer Fehler mit weitreichenden Konsequenzen. Air Canada hat seinen Hauptsitz in der Provinz Quebec, wo Französisch Amtssprache ist und als kulturelles Herzstück gilt. Politiker und Öffentlichkeit in der frankophonen Provinz übten scharfe Kritik an Rousseau, der trotz jahrelanger Tätigkeit an der Spitze der Fluggesellschaft nie Französisch gelernt hatte.
Sprachenpolitik als Machtfaktor
Kanadas komplizierte Sprachenpolitik prägt das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben des Landes seit Jahrzehnten. Der Bundesstaat schreibt für bestimmte Unternehmen und Institutionen die Zweisprachigkeit gesetzlich vor. Von Führungskräften großer Konzerne – insbesondere in Quebec ansässiger Unternehmen – wird erwartet, dass sie in beiden Landessprachen kommunizieren können, besonders in Krisensituationen.
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Zur AktienanalyseAir Canada bestätigte am Montag offiziell den Rückzug Rousseaus. Der Verwaltungsrat sei über seine Ruhestandspläne informiert worden. Bis zum Ende des dritten Quartals werde Rousseau weiterhin als CEO und Mitglied des Gremiums amtieren, teilte das Unternehmen mit. Ein Nachfolger wurde noch nicht benannt.
Der Fall Rousseau zeigt exemplarisch, wie eng Unternehmensführung, Kommunikation und politische Sensibilität in Kanada miteinander verknüpft sind. Für deutsche Anleger, die in nordamerikanische Fluggesellschaften investieren, verdeutlicht der Vorgang: Kulturelle und sprachliche Kompetenz des Managements kann in bestimmten Märkten geschäftskritisch sein.


