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Afrikas Solarenergie scheitert an hohen Kapitalkosten, nicht Technologie

Nicht der Preis für Solartechnik bremst Afrikas Energiewende – sondern teure Finanzierungskonditionen, die Projekte unwirtschaftlich machen.

Afrikas Solarenergie scheitert an hohen Kapitalkosten, nicht Technologie

Afrika verfügt über das größte Solarpotenzial der Welt – und dennoch stockt die Energiewende auf dem Kontinent. Der Grund liegt nicht in der Technologie, sondern im Kapital. Das argumentiert der Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und ehemalige Chefökonom der Afrikanischen Entwicklungsbank in einer aktuellen Analyse.

Solarenergie ist heute in weiten Teilen der Welt die günstigste Stromquelle. Eine Solaranlage im Sahel und eine in Südspanien verwenden weitgehend dieselbe Ausrüstung, profitieren von denselben sinkenden Modulpreisen – und die afrikanische Anlage wird sogar von einer stärkeren Sonne gespeist. Dennoch kostet der dort erzeugte Strom die Produzenten mehr. Die Ursache liegt nicht in den Modulen oder der Technik, sondern in den Finanzierungskonditionen.

Ein europäischer Projektentwickler kann ein EU-Projekt oft zu der Hälfte der Kosten eines vergleichbaren Projekts in Afrika finanzieren. Dieser Aufschlag entscheidet darüber, ob ein Projekt rentabel ist oder aufgegeben wird.

Warum erneuerbare Energien besonders kapitalempfindlich sind

Erneuerbare Energien sind auf ungewöhnliche Weise kapitalintensiv: Fast die gesamten Kosten fallen vorab während der Bauphase an und werden über 20 oder 30 Jahre hinweg langsam wieder eingespielt. Das macht den Strompreis extrem empfindlich gegenüber den Finanzierungskonditionen. Wenn Kapital billig und geduldig ist, sind erneuerbare Energien die günstigste Energiequelle der Welt – wenn es teuer ist, wird dasselbe Asset unwirtschaftlich. Afrika befindet sich auf der falschen Seite dieser Grenze.

Die hohen Kapitalkosten sind dabei keine Frage von Vorurteilen der Kreditgeber, sondern die Summe mehrerer konkreter Risiken. Dazu zählen:

Länder- und makroökonomisches Risiko:

Selbst Projekte ohne direkten Staatsbezug können durch Staatsbankrott oder starke Währungsabwertungen geschädigt werden.

Währungsrisiko:

Die meisten Projekte erzielen Einnahmen in lokaler Währung, während ihre Schulden in US-Dollar denominiert sind – Absicherungsinstrumente fehlen weitgehend.

Abnahmerisiko:

Die Bonität des oft staatlichen Energieversorgers, der den Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement) unterzeichnet, sowie die Glaubwürdigkeit des Tarifsystems sind entscheidend.

Liquiditätsrisiko:

Schwach entwickelte Inlandsmärkte erschweren den Ausstieg für Investoren, die dafür eine höhere Vergütung verlangen.

Mehr Kapital allein löst das Problem nicht

Die bekannte Agenda der Klimafinanzierung aus Ermahnungen und Zusagen enttäuscht immer wieder. Das Kapital meidet afrikanische erneuerbare Energien nicht grundsätzlich – die Chancen werden lautstark beworben. Es wird jedoch durch eine Risikostruktur mit Strafzinsen belegt, zu deren Entschärfung die derzeitige Finanzarchitektur wenig beiträgt.

Was stattdessen gebraucht wird, sind Instrumente, die das Risiko-Rendite-Profil verändern: Garantien, die kommerzielle, Kredit- und politische Risiken vom Entwickler wegverlagern; Mischstrukturen (Blended Finance), bei denen öffentliche Gelder anfängliche Verluste auffangen; und Einnahmerahmen, die vorhersehbar genug sind, um günstigere Kredite zu ermöglichen.

Auch inländisches Kapital bleibt weitgehend ungenutzt. Die Pensionsfonds, Versicherer und Staatsfonds des Kontinents verfügen über beträchtliche Vermögenswerte, doch die meisten stecken in Staatsanleihen. Dieses Kapital in Infrastruktur umzuleiten, ist attraktiv – stößt aber auf dieselben Risiken, die ausländische Investoren abschrecken.

Das eigentliche Ziel der Klimafinanzierung in Afrika sollte daher nicht darin bestehen, neue Kapitalquellen zu erschließen, sondern das bereits vorhandene Kapital durch breit angelegte Reformen zu verbilligen. Gleichzeitig müsse sichergestellt werden, dass Strom effizient genutzt und für lokale Verbraucher erschwinglich bleibt. Die stärkste Sonne der Welt, so das Fazit der Analyse, nützt wenig hinter dem teuersten Kapital.

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