Afrikas Infrastruktur: Binnenorientierung soll Wertschöpfungsketten stärken
Experten fordern auf der Manufacturing Indaba in Johannesburg eine neue Infrastrukturpolitik für mehr innerafrikanischen Handel und Zusammenarbeit.

Afrikas Logistikinfrastruktur ist historisch auf den Export von Rohstoffen ausgerichtet – nicht auf den Handel zwischen afrikanischen Ländern. Das kritisierte Humphrey Asiimwe, CEO der Uganda Chamber of Energy and Minerals, beim zweiten Tag der Manufacturing Indaba in Johannesburg am 15. Juli. Er forderte ein grundlegendes Umdenken in der Infrastruktur- und Handelspolitik des Kontinents.
„Afrika verfügt über keine Infrastruktur, die den Kontinent zusammenführt", sagte Asiimwe. Als konkretes Beispiel nannte er Ugandas Bedarf an Bohranlagen: Obwohl Nigeria über viele solcher Anlagen verfügte, fehlten die Transportwege nach Ostafrika. Die Folge: Uganda bezog die Ausrüstung aus China und den Vereinigten Arabischen Emiraten – statt aus einem afrikanischen Nachbarland.
Ugandas Modell: Infrastruktur über Grenzen hinaus
Uganda hat bereits erste Schritte in Richtung grenzüberschreitender Infrastrukturentwicklung unternommen. Im Jahr 2015 arbeitete das Land mit der Demokratischen Republik Kongo (DRK) zusammen, um Straßen im Osten der DRK zu bauen. Dadurch konnten ugandische Waren in diese Region exportiert werden – ein Gewinn für beide Länder.
Asiimwe betonte, dass Uganda trotz seiner Lage als Binnenstaat als Tor zu den Märkten in der Region fungiert – darunter Burundi, der Osten der DRK, Ruanda und der Südsudan. Im Rahmen der Ostafrikanischen Gemeinschaft prüfe Uganda aktiv, wie es Infrastruktur auch außerhalb der eigenen Landesgrenzen unterstützen kann.
Im Kontext der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA), die einen Markt von 1,4 Milliarden Menschen umfasst, sei eine nach innen gerichtete Infrastruktur unerlässlich. Ohne funktionierende Verbindungen zwischen den Ländern könnten Waren und Dienstleistungen diesen riesigen Markt schlicht nicht erreichen.
Ressourcenfluch bekämpfen: Ugandas Ansatz bei Local Content
Uganda begann 2006 mit Ölbohrungen und erwartet in diesem Jahr die erste Ölförderung. Um den sogenannten Ressourcenfluch zu vermeiden – also den Zustand, in dem ein ressourcenreiches Land seine Bevölkerung nicht an den Einnahmen teilhaben lässt – hat Uganda spezifische Gesetze erlassen.
Investoren werden dazu angehalten, eine gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen und in den Aufbau lokaler Lieferanten zu investieren. Dabei hat Uganda die Definition von „Local Content" bewusst erweitert: Unternehmen müssen zunächst lokal einkaufen, dann regional und schließlich kontinentweit – bevor sie auf internationale Anbieter zurückgreifen.
Asiimwe empfahl zudem einen differenzierteren Ansatz bei Lokalisierungsanforderungen. Wenn eine Mine nur fünf bis sieben Jahre produziert, wäre es unrealistisch, Investoren den Bau von Raffinerieanlagen zu verlangen, deren Amortisationszeitraum 15 bis 20 Jahre beträgt.
Arbeitsteilung entlang der Wertschöpfungskette
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Zur AktienanalyseDer Experte plädierte für eine regionale Arbeitsteilung entlang der Wertschöpfungskette. Als Beispiel nannte er: In Uganda abgebauter Graphit könnte in Tansania verarbeitet und in Sambia raffiniert werden. In der DRK gefördertes Erz könnte in Simbabwe aufbereitet werden, während die endgültige Veredelung in Südafrika stattfindet.
„Die afrikanischen Länder müssen darüber nachdenken, wie wir um verschiedene Teile der Wertschöpfungsketten herum aufbauen können", sagte Asiimwe. Die Forderung, dass jedes Land seine Rohstoffe vollständig im eigenen Land verarbeiten müsse, schrecke Investoren ab und verhindere wirtschaftliches Wachstum.
Seine abschließende Botschaft war klar: „Wir müssen prüfen, wie wir besser zusammenarbeiten können, um dadurch größere Märkte zu schaffen und viel mehr zu erreichen." Für deutsche und europäische Investoren, die in afrikanische Rohstoff- und Industrieprojekte investieren, bietet dieser Ansatz wichtige Orientierungspunkte für die Bewertung regionaler Wertschöpfungspotenziale.


