ADNOC-Tanker in Straße von Hormus von Rakete getroffen
Ein Schiff der Abu Dhabi National Oil Company wurde beim Durchfahren der Straße von Hormus angegriffen – die Spannungen eskalieren weiter.

Ein Schiff der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) ist in den frühen Morgenstunden des Samstags beim Durchfahren der Straße von Hormus von einer Rakete getroffen worden. Das Unternehmen bestätigte den Vorfall in einer offiziellen Mitteilung. „Der Vorfall forderte keine Verletzten, und die Situation wurde unter Kontrolle gebracht", erklärte ADNOC. Die Vereinigten Arabischen Emirate verurteilten den Angriff scharf und veröffentlichten auf der Plattform X eine Erklärung, in der sie den Angriff auf den „mit ADNOC verbundenen Tanker während seiner Durchfahrt durch die Straße von Hormus aufs Schärfste" verurteilen.
Der Angriff ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen den USA und dem Iran rund um die strategisch bedeutende Meerenge. Die iranische Revolutionsgarde machte unmissverständlich klar, unter welchen Bedingungen die Wasserstraße wieder geöffnet werde. „Die Wiederöffnung der Straße von Hormus unterliegt dem spezifischen Mechanismus und den Bedingungen der Islamischen Republik Iran und hat nichts mit den Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Oman zu tun", sagte Sardar Mohbi, Sprecher der Revolutionsgarde, in einer Erklärung auf Telegram.
Globaler Energieversorgungsschock durch gesperrte Meerenge
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – rund 20 Prozent des global gehandelten Öls passieren sie täglich. Teherans Fähigkeit, die Meerenge faktisch zu sperren, hat seit Beginn des US-iranischen Krieges am 28. Februar einen globalen Energieversorgungsschock ausgelöst. Dieser hat die Benzinpreise in die Höhe getrieben, die Inflation verschärft und weltweit Besorgnis über die Ölreserven hervorgerufen.
Der Schiffsverkehr durch Hormus ging am Freitag im Vergleich zum Vortag um 33 Prozent zurück. Laut dem Handelsinformationsdienst Kpler nutzten die meisten Schiffe dabei die iranische Route. Die Ölpreise reagierten: Die Futures für die internationale Referenzsorte Brent legten um mehr als ein Prozent zu und schlossen bei 83,55 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um etwa ein Prozent auf 78,18 US-Dollar pro Barrel. Auf Wochensicht fielen die Preise jedoch um mehr als sieben Prozent.
Verhandlungen stocken – Iran und Oman ohne Einigung
Trotz diplomatischer Signale aus Washington bleibt eine Lösung aus. US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Dienstag gegenüber dem Sender CNBC erklärt, eine Vereinbarung zur Öffnung von Hormus könnte bereits am Mittwoch zustande kommen. Auch Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio deuteten eine unmittelbar bevorstehende Einigung an. Bisher wurde jedoch kein Abkommen bekannt gegeben.
Der Iran und der Oman arbeiten Medienberichten zufolge an einem Abkommen zur Festlegung von Transitrouten durch die Meerenge. Demnach würde einlaufender Verkehr durch iranische Gewässer und auslaufender Verkehr durch omanische Gewässer geleitet. Die staatlichen iranischen Medien veröffentlichten jedoch am Donnerstag einen Entwurfsplan, der den Verkehr durch Hormus erheblich einschränken würde. Gemäß dem Entwurf, der laut der staatlichen Nachrichtenagentur Fars derzeit vom iranischen Parlament geprüft wird, würde der Iran US-amerikanischen und israelischen Schiffen die Durchfahrt durch die Meerenge untersagen. Anderen Nationen, die dem Iran geschadet haben, würde der Transit erst nach Zahlung von Entschädigungen gestattet.
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Zur Aktienanalyse„Theater-Diplomatie" – Iran wirft Trump Schaukelpolitik vor
Der iranische Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf warf Trump am Donnerstag in einem Post auf X „Theater-Diplomatie" vor. „'Massiver Angriff bevorstehend … Moment, egal, sie wollen verhandeln.' Das ist Theater-Diplomatie in der Dauerschleife", schrieb Ghalibaf – offensichtlich in Anspielung auf Trumps wechselhafte Signale. Die Äußerungen fielen wenige Tage, nachdem Trump geplante Angriffe abgesagt und erklärt hatte, die Grundzüge eines Abkommens mit Teheran seien bereits ausgehandelt worden. Iranische Regierungsvertreter wiesen diese Behauptung zurück und erklärten, es fänden keine Gespräche statt.
Auf eine kurze Kampfpause nach einer Absichtserklärung vom 17. Juni folgten Wochen voller Angriffe und Gegenschläge. Teheran griff dabei mehrere seiner Nachbarn am Golf mit Raketen und Drohnen an. Der Konflikt weitet sich unterdessen in der gesamten Region aus, wobei die Energieinfrastruktur am Golf und wichtige maritime Engpässe erneut bedroht sind.


