Adnoc schleust Öl und Gas durch die Straße von Hormus
Der staatliche Ölkonzern Abu Dhabis nutzt „Dark Transits" und passiert dabei iranische sowie US-amerikanische Kriegsschiffe.

Die Abu Dhabi National Oil Co. (Adnoc) verschifft Öl, Gas und Kraftstoffe mit der eigenen Tankerflotte durch die Straße von Hormus – eine der strategisch bedeutsamsten und gleichzeitig gefährlichsten Wasserstraßen der Welt. Dabei passieren die Schiffe offenbar sowohl die iranische Marine als auch US-Kriegsschiffe, um energiehungrige Abnehmer weltweit zu beliefern. Dies berichten Tracking-Daten sowie Händler und mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber Bloomberg.
Besonders auffällig ist die Methode, derer sich Adnoc dabei bedient: sogenannte „Dark Transits". Bei dieser Praxis durchqueren Schiffe die Straße von Hormus mit ausgeschalteten Transpondern – also ohne dass ihre Position für externe Beobachter nachverfolgbar ist. Transponder sind Bordsysteme, die normalerweise kontinuierlich Standort- und Identifikationsdaten übermitteln und damit die internationale Schifffahrtsüberwachung ermöglichen.
Adnoc als erfolgreicher Exporteur trotz geopolitischer Risiken
Durch den gezielten Einsatz solcher Praktiken zählt Adnoc laut den vorliegenden Informationen zu den erfolgreichsten Produzenten beim Export von Rohstoffen aus dem Nahen Osten. Der staatliche Konzern aus Abu Dhabi, der zu den größten Ölproduzenten der Welt gehört, sichert sich damit trotz des angespannten geopolitischen Umfelds am Persischen Golf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Exporteuren der Region.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Energieadern der Welt. Durch diesen schmalen Meereskanal zwischen dem Oman und dem Iran fließt ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Rohöls. Spannungen in der Region – etwa zwischen dem Iran und westlichen Mächten – haben die Wasserstraße in der Vergangenheit wiederholt zu einem Brennpunkt internationaler Krisen gemacht. Tanker, die diese Route nutzen, sind daher stets einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Geopolitische Brisanz im Persischen Golf
Dass Adnoc-Schiffe dabei sowohl an iranischen als auch an amerikanischen Marineverbänden vorbeisegeln, unterstreicht die komplexe Sicherheitslage in der Region. Die USA unterhalten im Persischen Golf eine starke Marinepräsenz, unter anderem um die freie Durchfahrt für Handelsschiffe zu gewährleisten. Der Iran hingegen hat in der Vergangenheit mehrfach damit gedroht, die Straße von Hormus im Falle eines Konflikts zu sperren.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Privatanleger und Energiemarktbeobachter ist diese Entwicklung von besonderer Relevanz: Störungen im Öl- und Gastransport durch die Straße von Hormus hätten unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiepreise und damit auch auf die Versorgungssicherheit in Europa. Adnocs Fähigkeit, Lieferungen trotz dieser Risiken aufrechtzuerhalten, zeigt die operative Stärke des Konzerns – wirft aber gleichzeitig Fragen zur Transparenz und Sicherheit im internationalen Schiffsverkehr auf.
Die Erkenntnisse basieren auf einer Auswertung von Tracking-Daten sowie Aussagen von Händlern und Insidern, die Bloomberg vorliegen. Adnoc selbst hat sich zu den Berichten bislang nicht öffentlich geäußert.


