Adidas verlässt Tarifbindung mitten im Arbeitskonflikt
Gewerkschaft kritisiert Schritt als unsolidarisch – 8.000 Beschäftigte in Deutschland betroffen

Adidas kehrt der Tarifbindung in Deutschland den Rücken – mitten in einem laufenden Tarifkonflikt mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Ab dem 1. September wird das Unternehmen zwar weiterhin Mitglied im Arbeitgeberverband bleiben, allerdings ohne tarifliche Bindung. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens in Herzogenaurach. Von dem Schritt sind mehrere tausend Beschäftigte betroffen, die bisher nach Tarif bezahlt wurden.
Die Gewerkschaft reagiert empört und spricht von einem Bruch mit der bisherigen Sozialpartnerschaft. Birgit Biermann, stellvertretende Vorsitzende der IGBCE, warf Adidas vor, sich mit dem Austritt unsolidarisch zu verhalten. Ihrer Ansicht nach verlasse das Unternehmen den Weg von Fairplay und Partnerschaft. Adidas ist bislang das größte tarifgebundene Unternehmen innerhalb der Sportartikel- und Schuhindustrie, über das zwischen den Sozialpartnern verhandelt wird.
Konkret geht es um 4.600 tarifgebundene Mitarbeiter, wie Adidas mitteilt. Die Gewerkschaft geht sogar von insgesamt 8.000 Beschäftigten aus, die bei dem Sportartikelkonzern in Deutschland betroffen sind. Laut IGBCE arbeiten bundesweit etwa 13.000 Menschen in der Branche. Allein rund 3.500 davon seien am Hauptsitz in Herzogenaurach tätig, weitere Tausende in Logistikzentren in Bayern und Niedersachsen sowie in firmeneigenen Stores.
Hintergrund des Ausstiegs ist ein Streit über die Struktur und Reichweite der Tarifverträge. Die Gewerkschaft fordert die Einführung weiterer Entgeltgruppen, um die Tarifbindung auf mehr Beschäftigte auszuweiten – darunter auch hochqualifizierte Mitarbeiter. Außerdem sollen Gewerkschaftsmitglieder einen Zuschlag erhalten. Adidas lehnt diese Forderungen strikt ab und begründet den Austritt mit dem Wunsch nach mehr Flexibilität im Vergütungssystem.
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Zur AktienanalyseEine Sprecherin des Unternehmens betonte, dass man Gehälter künftig auch außerhalb tariflicher Vorgaben gestalten wolle, um weiterhin attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für alle Beschäftigten bieten zu können. Eine Prämie für Gewerkschaftsmitglieder sei für den Konzern „nicht verhandelbar“. Die IGBCE hält die Argumentation des Unternehmens für unzutreffend und betont, dass gerade durch die Ausweitung auf weitere Entgeltgruppen mehr Transparenz und Fairness in der Vergütung geschaffen werde. Die erste Verhandlungsrunde zwischen den Tarifparteien ist für den 11. September angesetzt.


