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ADHS-Medikament Adderall boomt in den USA

Hohe Nachfrage bei Studierenden, Managern und Programmierern trotz starker Nebenwirkungen

ADHS-Medikament Adderall boomt in den USA

In den USA hat das ADHS-Medikament Adderall eine immer größere Fangemeinde unter Erwachsenen gewonnen, die keine „Aufmerksamkeitsdefizitstörung“ haben. Vor allem Studierende, Programmierer und Manager nutzen das verschreibungspflichtige und abhängig machende Amphetamin, um ihre Gehirnleistung zu steigern. Diese Menschen nehmen Adderall, um effizienter zu lernen, schneller Code zu schreiben oder fokussierter zu arbeiten.

Das Medikament wurde ursprünglich in den 1990er Jahren zur Behandlung von ADHS entwickelt und wird in den USA häufig Kindern verschrieben, die Konzentrationsprobleme haben. Die Gesundheitsbehörde CDC schätzt, dass 11,4 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen in den USA eine ADHS-Diagnose erhalten haben, was etwa sieben Millionen Kindern und Jugendlichen entspricht. Insbesondere Jungen sind mit 15 Prozent betroffen, und viele von ihnen nehmen Adderall, das als das beliebteste ADHS-Medikament gilt.

Nach Angaben der Analysefirma Iqvia sind die Verschreibungen für Adderall in den USA zwischen 2019 und 2022 um 27 Prozent gestiegen, wobei ein wachsender Anteil von Erwachsenen betroffen ist. Das Medikament wird von Teva vertrieben, sowie als Generikum von Novartis, Lannett, Mallinckrodt und Takeda angeboten. Diese hohe Nachfrage hat zuletzt zu Engpässen bei Adderall geführt.

Danielle Carr von der University of California Los Angeles (UCLA) erforscht die Geschichte der Neurowissenschaften und Psychologie. Sie weist darauf hin, dass inzwischen 51 Millionen Amerikaner Adderall verschrieben bekommen haben – bei einer Gesamtbevölkerung von 335 Millionen. Carr stellt fest, dass nicht nur Kinder das Medikament einnehmen, sondern es auch Kultstatus unter Wall-Street-Bankern, Tech-Mitarbeitern und Studierenden genießt, die ihre Leistungsfähigkeit steigern wollen.

In der Tech-Welt ist Adderall besonders beliebt, weil viele der dort Beschäftigten als „Mittelklassekinder mit einer guten Krankenversicherung“ die Medikamente bereits im frühen Alter verschrieben bekommen haben. Diese oft abhängigen Erwachsenen prägen heute den Zeitgeist im Silicon Valley und nutzen Adderall, um ihre Arbeitsleistung zu erhöhen.

In den sozialen Medien beschreiben Anhänger des Mittels, wie sie sich dank Adderall leistungsfähiger und eloquenter fühlen. Ein prominentes Beispiel ist Samuel Bankman-Fried, der Gründer der Kryptobörse FTX, der nach einer hohen Dosis Adderall im Gefängnis verlangt hatte. Professorin Carr fragt, ob wir eine „Aufmerksamkeitskrise wegmedikamentieren, die durch die Dominanz von Smartphones und Internet geschaffen wurde“.

Die Pandemie hat dazu beigetragen, dass Adderall einfacher zu bekommen war. Durch die Schwierigkeit von Arztbesuchen in Coronazeiten erlaubten die USA vielen Telemedizin-Start-ups, Medikamente auch per Online-Diagnose zu verschreiben. Einige dieser Start-ups warben aggressiv auf Tiktok und Instagram und ermöglichten es, mit wenigen Klicks ein Rezept für Adderall zu erhalten. „Done“, eines dieser Start-ups, war in einen Fall verwickelt, bei dem ein Patient nach der Verschreibung von Adderall starb.

Im Juni wurden die Done-Gründerin Ruthia He und der klinische Chef David Brody verhaftet. Staatsanwalt Merrick Garland erklärte, dass sie die Covid-19-Pandemie ausgenutzt hätten, um ein 100 Millionen Dollar schweres Betrugsschema zu entwickeln und einfachen Zugang zu Adderall und anderen Stimulanzien ohne medizinische Notwendigkeit zu ermöglichen.

In den sozialen Medien häufen sich auch warnende Stimmen von Menschen, die von Adderall abhängig geworden sind. Auf Reddit warnt ein Nutzer vor den Gefahren der Abhängigkeit und beschreibt die negativen Folgen des Amphetaminmissbrauchs. Adderall helfe lediglich, mehr Stunden zu arbeiten, mache die Menschen aber nicht besser.

Zuletzt hat es Adderall sogar in die Diskussionen um den US-Wahlkampf geschafft. Der Onlinewetten-Betreiber Betonline bietet Wetten darauf an, welche Medikamente und Drogen bei den Präsidentschaftskandidaten gefunden würden. Bei Donald Trump sehen die Wetter eine Chance von eins zu sechs, bei Joe Biden von eins zu zwei.

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