Adani unter Korruptionsverdacht in den USA angeklagt
Milliardär soll Bestechungsgelder gezahlt und Anleger getäuscht haben

Der indische Milliardär Gautam Adani, Vorsitzender der Adani-Gruppe, sieht sich in den USA mit schweren Vorwürfen konfrontiert. US-Staatsanwälte haben ihn und sieben weitere Personen wegen mutmaßlicher Bestechung angeklagt. Adani soll zusammen mit den Mitangeklagten insgesamt 265 Millionen Dollar an indische Regierungsvertreter gezahlt haben, um sich lukrative Aufträge zu sichern. Laut der Anklageschrift sind die Zahlungen Teil eines groß angelegten Betrugs- und Schmiergeldsystems, das sich zwischen 2020 und 2024 erstreckte. Die betroffenen Projekte, darunter das größte Solarprojekt Indiens, sollten über einen Zeitraum von 20 Jahren Gewinne von etwa zwei Milliarden Dollar einbringen.
Neben den strafrechtlichen Ermittlungen haben die US-Börsenaufsicht SEC und andere Behörden ebenfalls Klage eingereicht. Die SEC wirft Gautam und Sagar Adani, einem führenden Manager bei Adani Green, vor, Anleger mit falschen Angaben in den Angebotsunterlagen einer Anleihe in Höhe von 750 Millionen Dollar getäuscht zu haben. Rund 175 Millionen Dollar davon stammen von US-Investoren. Die Dokumente sollen das Engagement des Unternehmens gegen Korruption betont haben, was angesichts der mutmaßlichen Bestechungsvorwürfe als irreführend bewertet wird.
Nach Bekanntwerden der Anklagen geriet die Adani-Gruppe weiter unter Druck. An der Börse verzeichneten die Aktien des Konglomerats massive Verluste. Die Papiere des Flaggschiffs Adani Enterprises brachen um 18 Prozent ein, während Adani Green Energy um 16 Prozent und Adani Ports um 12 Prozent abrutschten. Insgesamt sank die Marktkapitalisierung der zehn börsennotierten Adani-Firmen von 169 Milliarden Dollar auf 141 Milliarden Dollar. Ein geplanter Anleihenverkauf der Tochter Adani Green wurde gestrichen.
Auch international haben die Vorwürfe Konsequenzen. Der kenianische Präsident William Ruto ließ ein Ausschreibungsverfahren für den Ausbau des größten Flughafens des Landes stoppen, bei dem auch die Adani-Gruppe beteiligt war. Zudem wurde ein Vertrag im Wert von über 700 Millionen Dollar, der den Bau von Stromübertragungsleitungen vorsah, annulliert.
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Zur AktienanalyseDie Adani-Gruppe wies alle Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete die Anklagen als unbegründet. Man werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um die Anschuldigungen abzuweisen. Dennoch bleibt unklar, wie die indische Regierung angesichts eines bestehenden Auslieferungsabkommens mit den USA auf den Haftbefehl gegen Gautam Adani reagieren wird.

