Ackman tauscht Google gegen Microsoft: Kurzfristig ein schmerzhafter Fehler
Hedgefonds-Legende Bill Ackman setzte im ersten Quartal 2026 auf Microsoft statt Alphabet – bislang mit deutlichen Verlusten.

Bill Ackman, der renommierte Chef des Hedgefonds Pershing Square, sorgte im ersten Quartal 2026 für Aufsehen: Er veräußerte den Großteil seiner Alphabet-Position und investierte den Erlös in Microsoft-Aktien. Der Tausch erscheint fundamental begründet – doch der Markt hat diesen Trade bislang klar abgestraft. Microsoft (MSFT) verzeichnete seit Jahresbeginn ein Minus von 18,7%, während Alphabet (GOOGL) im gleichen Zeitraum um 9,4% zulegte.
Die Bilanz seit der Umschichtung im ersten Quartal 2026 fällt ernüchternd aus. Der Verkauf von GOOGL während eines vermeintlichen Rücksetzers und der anschließende Einstieg bei MSFT, während die Aktie um rund 19% nachgab, war kurzfristig eine schmerzhafte Erfahrung. Der Rückgang des Nettoinventarwerts (NAV) von rund 15,9% bei Pershing Square im ersten Quartal 2026 zeigt, dass der Trade auch Ackmans eigene Performance-Kennzahlen spürbar belastet hat.
Googles starke Zahlen konterkarieren Ackmans Wette
Zusätzlich erschwert wurde Ackmans Position durch eine Reihe positiver Entwicklungen bei Alphabet. Googles Cloud-Auftragsbestand verdoppelte sich im ersten Quartal 2026 sequenziell auf beeindruckende 462 Milliarden US-Dollar. Zudem eröffnete Investorenlegende Warren Buffett persönlich eine Alphabet-Position von rund 31 Milliarden US-Dollar für Berkshire Hathaway. Die Bank KeyBanc hob das Kursziel für GOOGL jüngst auf 445 US-Dollar an – eine beachtliche Bestätigung für die Aktie, die Ackman gerade reduziert hatte.
Dennoch sehen Analysten bei Microsoft erhebliches Aufwärtspotenzial. Das Fair-Value-Modell für MSFT deutet auf einen fairen Wert von 479,80 US-Dollar hin – rund 22% über dem aktuellen Kursniveau. Das entsprechende Modell für GOOGL signalisiert hingegen ein Abwärtspotenzial von 12,7% gegenüber dem aktuellen Stand. Die Bewertungsarbitrage ist dabei auffällig: Mit einem EV/EBITDA-Verhältnis von 15,9x wird MSFT mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem 25,4x von GOOGL gehandelt – und das bei vergleichbarem Umsatzwachstum von rund 18% für beide Unternehmen, höheren Nettomargen und einem breiter gefächerten KI-Portfolio.
Microsofts Bewertung auf historischem Tiefstand
Die Deutsche Bank weist darauf hin, dass MSFT derzeit nur zum etwa 20-fachen der erwarteten Gewinne (NTM) gehandelt wird – verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 29x. Dies stellt eine seltene Bewertungskompression für ein Unternehmen dieser Qualität dar. Citizens prognostiziert für das Geschäftsjahr 2026 zudem eine Beschleunigung des Umsatzwachstums auf 17% bei gleichzeitiger Margenausweitung.
Microsoft arbeitet darüber hinaus daran, Risiken in seiner KI-Lieferkette zu reduzieren: OpenAI und Anthropic werden in Excel und Outlook schrittweise durch eigene MAI-Modelle ersetzt, was sowohl die Kosten als auch die Abhängigkeitsrisiken senkt. Die Aktie muss jedoch noch einen Rückgang vom Höchststand bei 555 US-Dollar auf nahezu 349 US-Dollar verarbeiten.
Auf der anderen Seite verweisen GOOGL-Kritiker auf konkrete Risiken: Verzögerungen bei Gemini 3,5 Pro über die Juni-Deadline hinaus, Abgänge wichtiger KI-Forscher – die Aktie fiel im Juni daraufhin um rund 10% –, sowie die EU-Verpflichtung, Suchdaten ab Januar 2027 mit Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic zu teilen. Zusätzlich drohen neue Bußgelder aus Brüssel.
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Zur AktienanalyseEntscheidende Bewährungsprobe am 29. Juli
MSFT-Skeptiker wiederum mahnen zur Vorsicht wegen hoher Risiken bei den Investitionsausgaben (CapEx) durch steigende Speicherpreise sowie Konzentrationsrisiken im OpenAI-Auftragsbestand. Das Fazit lautet daher: Kurzfristig falsch, langfristig potenziell richtig. Es ist ein klassischer Konflikt zwischen Value-Investing und Momentum.
Die erste echte Bewährungsprobe für Ackmans These steht mit den Microsoft-Quartalszahlen am 29. Juli 2026 an. Das KI-Wachstum bei Azure wird dabei der entscheidende Katalysator sein. Sollte sich das Azure-Wachstum wieder auf über 21% beschleunigen, könnte sich Ackmans Geduld durchaus auszahlen – und der scheinbare Fehlgriff als vorausschauende Investitionsentscheidung erweisen.


