AbbVie übernimmt Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden Dollar
Mit der größten Akquisition seit fünf Jahren stärkt AbbVie seine Immunologie-Pipeline und sichert sich einen vielversprechenden Wirkstoffkandidaten.

AbbVie übernimmt das Biotech-Unternehmen Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich um die größte Akquisition des Pharmariesen seit mehr als fünf Jahren und einen der bedeutendsten Biotech-Deals des laufenden Jahres. Mit dem Zukauf will AbbVie seine Pipeline für Immunologie-Therapien der nächsten Generation gezielt ausbauen.
Im Mittelpunkt der Transaktion steht der Wirkstoffkandidat Zumilokibart, eine experimentelle Therapie gegen Entzündungskrankheiten. Das Mittel wird unter anderem bei mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis sowie bei Asthma untersucht. „Wir glauben, dass der Deal sinnvoll ist und dass AbbVie der ideale Käufer ist, um das Potenzial von Zumilokibart zu maximieren", sagte Brian Abrahams, Analyst bei RBC Capital Markets.
AbbVie bietet 135,11 US-Dollar je Apogee-Aktie, was einem Aufschlag von rund 49,5 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag entspricht. Die Apogee-Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Kursanstieg von 47 Prozent. AbbVie-Papiere legten im gleichen Zeitraum um 1,5 Prozent zu.
Strategische Antwort auf drohende Patentabläufe
Der Zukauf fügt sich in eine umfassendere M&A-Strategie von AbbVie ein. Der Konzern treibt seit Jahren Fusionen und Übernahmen voran, um neue Wachstumstreiber zu erschließen. Hintergrund ist der bereits vollzogene Verlust der Marktexklusivität für das einstige Blockbuster-Medikament Humira sowie die Vorbereitung auf künftig auslaufende Patente bei den umsatzstarken Immunologie-Präparaten Skyrizi und Rinvoq.
Zu den jüngsten Transaktionen zählen die 10,1 Milliarden Dollar schwere Übernahme von ImmunoGen – bekannt für das Eierstockkrebs-Medikament Elahere – sowie der Kauf von Cerevel Therapeutics, das experimentelle Behandlungen für neurologische und psychiatrische Erkrankungen entwickelt. Die Übernahme von Apogee reiht sich nahtlos in diese Expansionsstrategie ein.
Die Immunologie-Sparte von AbbVie erwirtschaftete im Jahr 2025 einen Umsatz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das starke Wachstum der Blockbuster-Medikamente Skyrizi und Rinvoq konnte dabei einen Umsatzrückgang bei Humira von 49 Prozent mehr als ausgleichen.
Zumilokibart als Konkurrenz zu Dupixent
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Zur AktienanalyseEin zentrales Argument für den Deal ist das Differenzierungspotenzial von Zumilokibart gegenüber dem Marktführer Dupixent von Sanofi und Regeneron. Während Dupixent bei atopischer Dermatitis in der Regel alle zwei Wochen verabreicht wird, wird Zumilokibart als subkutane Injektion untersucht, die nur alle drei oder sechs Monate gegeben werden muss. Diese deutlich reduzierte Dosierungshäufigkeit könnte für Patienten einen erheblichen Komfortvorteil bedeuten.
Analyst Abrahams von RBC Capital Markets betonte, Apogee sei schon lange als potenzielles Übernahmeziel gehandelt worden. Zumilokibart bediene einen großen und wachsenden Markt für atopische Dermatitis und müsse im Vergleich zu bestehenden Therapien deutlich seltener verabreicht werden.
Die Transaktion soll voraussichtlich im dritten Quartal abgeschlossen werden. AbbVie erwartet, dass die Übernahme ab dem Jahr 2032 einen positiven Beitrag zum bereinigten Gewinn je Aktie leisten wird. Der Deal unterstreicht den anhaltenden Trend zu großvolumigen Übernahmen in der Pharmabranche, in der viele Konzerne angesichts bevorstehender Patentabläufe aktiv nach neuen Wachstumsquellen suchen.


