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AbbVie-Aktie unter Druck: China-Untersuchung bremst Rally

Ein US-Kongressausschuss untersucht AbbVies klinische Studien in China – trotz starker Pipeline und positiver Analysteneinschätzungen.

AbbVie-Aktie unter Druck: China-Untersuchung bremst Rally

Die AbbVie-Aktie (ABBV) gab im vorbörslichen Handel um 0,5% nach, nachdem ein überparteilicher Ausschuss des US-Repräsentantenhauses eine Untersuchung zur nationalen Sicherheit eingeleitet hat. Im Fokus stehen die klinischen Studien des Pharmaunternehmens in China – ein unerwarteter Gegenwind nach einer beeindruckenden Kursrallye.

Der Ausschuss unter der Leitung von Abgeordnetem John Moolenaar forderte bis zum 17. Juli Unterlagen zur Due Diligence und zum Datenschutz an. Besonders brisant: Die Untersuchung bezieht sich auf Studienstandorte in der Region Xinjiang sowie in chinesischen Militärkrankenhäusern. Neben AbbVie ist auch der Pharmariese Merck von der Untersuchung betroffen.

Die Nachricht schürt Sorgen über potenzielle regulatorische Risiken und Reputationsrisiken im Zusammenhang mit den klinischen Aktivitäten des Unternehmens in China. Für Anleger bedeutet dies eine neue Unsicherheitsvariable, die den bisherigen Aufwärtstrend der Aktie zumindest kurzfristig belastet.

Piper Sandler hält an Kaufempfehlung fest

Trotz des negativen Schlagzeilen-Drucks bestätigte das Analysehaus Piper Sandler seine Kaufempfehlung („Buy") für ABBV. Dies spiegelt das anhaltende Vertrauen der Wall Street in die Pipeline und den Wachstumskurs des Unternehmens wider und wirkte dem Kursrückgang teilweise entgegen.

Auf der klinischen Seite lieferte AbbVie derweil starke Ergebnisse: Die Phase-3-Studie EPCORE DLBCL-4 erreichte ihren primären Endpunkt. Die Kombination aus Epcoritamab und Lenalidomid senkte das Risiko eines Fortschreitens der Krankheit oder des Todes bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom um beeindruckende 60%. Ein klinisch bedeutsames Ergebnis, das die Onkologie-Sparte des Unternehmens weiter stärkt.

Zusätzlich gab der CHMP der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) eine positive Stellungnahme ab und empfahl die Zulassung von Upadacitinib (Rinvoq) für schwere Alopecia areata – eine Autoimmunerkrankung, die zu Haarausfall führt. Damit weitet AbbVie das Anwendungsgebiet dieses bereits etablierten Medikaments weiter aus.

Gewinnmitnahmen nach 17-Prozent-Rally

Der moderate Rücksetzer erfolgt nach einer kräftigen Rallye von rund 17% über fünf Handelstage, die ABBV auf ein neues 52-Wochen-Hoch gehoben hatte. Treiber dieser Aufwärtsbewegung waren unter anderem die angekündigte Übernahme von Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar sowie eine Reihe positiver regulatorischer und klinischer Entwicklungen. Ein gewisses Maß an Gewinnmitnahmen nach einem solch konzentrierten Kursanstieg ist eine natürliche Gegenbewegung.

Bemerkenswert ist der Kontrast zum breiten Markt: Der S&P 500 legte am selben Tag um 1,2% zu, der Nasdaq stieg sogar um 2,1%. Beflügelt wurden die Indizes durch ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran, das die Risikobereitschaft der Anleger über alle Sektoren hinweg wiederherstellte.

Zusammengenommen stellt die Untersuchung des Repräsentantenhaus-Ausschusses einen unternehmensspezifischen Gegenwind dar, der den Enthusiasmus rund um AbbVies starke Pipeline und das positive Analystenumfeld vorübergehend dämpft. Während der breitere Markt zum Abschluss des ersten Halbjahres zulegt, kämpft ABBV mit einem leichten, aber gezielten Rücksetzer – getrieben durch politische Unsicherheit statt durch operative Schwäche.

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